Atopische Dermatitis (AD)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2019/10/25 21:22

Atopische Dermatitis (AD)

Engl: atopic dermatitis/eczema

Syn: Neurodermitis Brocq (1891), Endogenes Ekzem, Prurigo Besnier (1892) (From http://wellcomeimages.org/. Copyrighted work available under Creative Commons Attribution only license CC BY 4.0 http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/. Wellcome Library, London.)

Histr: Der "Atopie"-Begriff wurde 1923 von Coca und Cooke geprägt und bezog sich zunächst auf die klinischen Manifestationsformen von Typ-I-Allergien. Die Erstbeschreibung erfolgt durch Willan im Jahre 1808.

Allg: - Ekzeme sind nichtinfektiöse, entzündliche Dermatosen, oft mit starkem Juckreiz. Sie werden trotz unterschiedlicher dermatologischer Terminologie im Allgemeinen in drei Hauptgruppen eingeteilt: endogenes Ekzem, seborrhoisches Ekzem, Kontaktekzem (allergisch oder toxisch)

- Weitere Unterformen sind: nummuläres Ekzem, Lichen simplex chronicus, Stauungsekzem, Exsikkationsekzematid, dyshidrosiformes Ekzem

Def: Chronisch rezidivierende, nichtinfektiöse, stark juckende Dermatitis, die zum Formenkreis der Atopie gehört (neben allergischem Asthma und allergischer Rhinitis) und Veränderungen von Wachstum und Differenzierung der Epidermis in einem Th2/Th22-Zytokinmilieu umfasst

Etlg: - Extrinsische Form in Assoziation mit spezifischem IgE

Vork: ca. 80% d. F. von AD

- Intrinsische Form ohne nachweisbare Sensibilisierungen

Vork: ca. 20% d. F. von AD

Note: - Der intrinsische Charakter der Erkrankung wird besonders deutlich in der Tatsache, dass die Erkrankung bei Empfängern von Knochenmarkstransplantationen ausbrechen kann, wenn der Spender Atopiker ist.

- Die Erkrankung ist sogar bei Kindern mit Agammaglobulinämie ohne IgE beschrieben.

- Die Erkrankung bessert sich meist bei Pat. mit IFN-gamma-Behandlung, obwohl darunter die IgE-Werte ansteigen.

- Paradoxerweise bessert sich die AD gewöhnlich während der Rhinitis-Saison im Frühjahr, wenn die Aeroallergen-Konzentrationen maximal sind.

- Die intrinsische Form scheint mit einem höheren Aktivierungsgrad der Entzündungswege (insbes. Th17- und Th22-Zytokine) assoziiert zu sein als die extrinsische Form

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2013 Jun 15. pii: S0091-6749(13)00693-3. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2013.04.046 (USA)

Ät: polygen vererbte Disposition bei aggravierenden Umwelteinflüssen 2

Pg: - Immunologische Veränderungen (extrinsische Form)

Etlg: - humorale Immunreaktion

Lab: erhöhter IgE-Serumspiegel

Vork: 80% d. F.

Urs: B-Zell-Hyperaktivität

Bed: in grober Korrelation zur Schwere der Krankheit

So: - Anti-Keratinozyten-IgE-Ak

- Anti-Cardiolipin-Ak

- zelluläre Immunreaktion und Zytokinmuster

Bef: - Hypoaktivität der zytotoxischen und suppressorischen T8-Zellen

- Th2-Zytokinmuster der Entzündungsreaktionen (IL-4, -5, -6, -10, -13) mit Switch zu einem Th1-Zytokinmuster bei chronischem Verlauf

Etlg: - akute AD: IL-4-, IL-13, IL-16

- chronische AD: IL-5, GM-CSF, IL-12, IFN-gamma

Note: Der Wechsel zum Th1-Zytokinmuster wird wahrscheinlich durch IL-12 eingeleitet.

- Einfluss spezialisierter dendritischer Zellen und Th17- sowie Th22-Zellen

- IL-10 erhöht

Bed: beständigster Messwert im "Zytokin-Cocktail"

Exp: spontan erhöhte In-vitro-Expression von IL-10 bei Monozyten von Pat. mit AD

Note: CD30-Expression in zirkulierenden T-Zellen wird als In-vivo-Marker für eine Th2-Entzündung postuliert. sCD30 soll mit der Krankheitsaktivität korrelieren

Lit: Acta Derm Venereol 2002; 82: 245-8

- IFN-gamma erniedrigt und TNF-beta erniedrigt

Allg: IFN-gamma hemmt die IgE-Synthese: TNF-beta fördert die Produktion von IFN-gamma und hemmt die Produktion von IL-5, IL-13 sowie IgE

- IFN-gamma induziert IL-33, welches Th2-Zell-Antworten fördert

Lit: Exp Dermatol. 2013 Feb;22(2):102-7

- CLA-Rezeptor-positive Th2-Zellen führen zur Exozytose der Entzündungszellen

Note: Die Th-Zellen bei Asthmatikern sind CLA-negativ und können nicht in die Haut einwandern.

- CD26 erniedrigt

Def: Dipeptidyl-Peptidase IV

Lit: Exp Dermatol 2001; 10: 414-9

Allg: CD26 ist eine membran-assoziierte Dipeptidy-Peptidase von Lymphozyten, die bestimmte Chemokine (z. B. RANTES, Eotaxin) durch Abspaltung von Dipeptiden vom N-terminalen Ende der Proteine inaktiviert

Note: Eine erniedrigte Expression des antientzündlich wirksamen CD26 fand sich auch bei Psoriasis.

- Mastzellenchymase erhöht

Folg: - erhöhte IL-4-Sekretion (zusammen mit erniedrigter IFN-gamma-Sekretion) der T4-Helferzellen bedingt den erhöhten IgE-Titer sowie erhöhte IgE-Expression auf Langerhans-Zellen

- erhöhte IL-5-Sekretion der T4-Helferzellen bedingt die Eosinophilie

Histr: Der Nachweis von Eosinophilendegranulation in der Haut bei AD wurde erstmals durch Leiferman geführt (1985).

Lit: N Engl J Med 1985; 313: 282-5

Exp: Ferner wurde eine verzögerte Apoptose der Eosinophilen beobachtet.

Lit: Int Arch Allergy Immunol 1999; 118: 234-5

- verminderte Reaktion auf Recall-Antigene

Urs: gestörte T-Zell-Funktion

- verminderte Sensibilisierung auf potente Kontaktallergene (Allergie Typ IV)

Bsp: keine obligate Sensiblisierung nach DNCB (Dinitrochlorbenzol); s. auch unter: Therapie

Urs: gestörte T-Zell-Funktion

CV: allerdings sind spezifische Kontaktallergien gegen Chrom, Nickel, Kobalt und Perubalsam auch bei Atopikern relativ häufig

Merk: Der zentrale immunologische Defekt bei der AD ist ein IFN-gamma/IL-4-Ungleichgewicht.

- epidermodermale Immunreaktion

Bef: Expression von IgE-Fc-Rezeptoren auf Langerhans-Zellen in der Epidermis

Lit: Arch Dermatol Res 1986; 278: 199-205

Folg: - Umweltallergene (z. B. Hausstaub, Pollen, Tierhaare) können direkt Entzündungsreaktionen vom Soforttyp auslösen

Lok: insbes. Schweißstellen und Hautstellen mit dünner Hornschicht

Note: Bei Kleinkindern stehen Nahrungsmittelallergien im Vordergrund, später dann Aeroallergene

Co: Fast 80% der Kinder mit AD entwickeln allergisches Asthma bronchiale oder allergische Rhinokonjunktivitis

Int: Die perkutane Allergenpräsentation scheint für allergische Erkrankungen des respiratorischen Systems zu prädisponieren.

- Nach Antigenpräsentation kann die Aktivierung von CD4-Zellen induziert werden.

- neurovegetative/neuroimmunologische Störungen

Exp: - defizitäre cAMP-Antwort auf beta-adrenerge Substanzen von Leukozytenzellkulturen (von Atopikern)

Urs: erhöhte cAMP-Hydrolyse durch hyperaktive Phosphodiesterase(PDE)-Isoformen in den Leukozyten von Atopikern

Lit: Acta Derm Venereol 1985; 114: S41-7

- erhöhte Expression von Neurotrophin-4 (Regulator der Hautinnervation) durch Keratinozyten

Lit: J Invest Dermatol 2000; 114: 1108-12

Di: - intrakutane Applikation von Acetylcholin

Bef: Abblassen der Haut und gesteigerte Schweißsekretion

Int: paradoxe Vasokonstriktion und Schweißdrüsenreaktion

Hyp: für diese Reaktionsweise wird eine sog. beta-adrenerge Blockade verantwortlich gemacht

- Testung auf Dermographismus

Meth: mit der Kante eines Holzspatels über den Unterarm oder Rücken streichen

Bef: weißer Strich

- positiver Kälte-Druck-Test

- positiver Metacholin-Test

Meth: Inhalation von Metacholin bei Pat. mit anamnestisch asthmoiden Beschwerden

- Epidermis-Aberrationen (Lipiddefekte, gestörter Prostaglandin-Metabolismus, erhöhte Histamin-Synthese)

Bsp: - Mangel am Enzym Delta-6-Desaturase

Lit: Prostaglandins Leukot Med 1982; 9: 615-28

Folg: erniedrigte Umwandlung der Linolsäure in essentielle ungesättigte Fettsäuren führt zu Mangel an Gamma-Linolensäure und an Prostaglandin-Vorstufen

Exp: Monozyten von Pat. mit AD zeigen erhöhte Produktion von Prostaglandin E2 und IL-10, wodurch die Synthese von IFN-gamma in T-Zellen gehemmt wird.

KL: trockene Haut

Kopl: erhöhte Penetrationsmöglichkeit für Aeroallergene

Note: Die generelle Neigung zur Entwicklung von Kontaktallergien ist dagegen nur auf einige wenige Substanzen beschränkt wie Nickel, Chromat, Kobalt und Perubalsam.

- Mangel an Ceramiden im Stratum corneum

Urs: erhöhte Expression einer abnormen Sphingomyelin-Deacylase, die kompetitiv zur Sphingomyelinase oder Beta-Glukozerebrosidase entsprechende Substrate umsetzt/verbraucht

Lit: - J Invest Dermatol 2000; 115: 406-13

- J Invest Dermatol 2002; 119: 166-73

Folg: reduzierte Wasserbindungskapazität der Haut führt zu erhöhtem transepidermalem Wasserverlust (TEWL), wodurch sich der Wassergehalt der Haut erniedrigt

KL: trockene Haut

- erhöhte Expression der Histidindecarboxylase in Keratinozyten (Histamin-synthetisierendes Enzym)

Lit: Br J Dermatol. 2014 Jun 24. http://doi.org/10.1111/bjd.13199 (UK)

Note: erhöhte Expression des lipophilen Antioxidans alpha-Tocopherol in nichtläsionaler Haut

Hyp: erhöhte antioxidative Abwehr als Folge chronischer Entzündungsaktivität

Lit: Dermatology 2002; 204: 69-71

- Superantigene

Err: insbes. Staphylococcus aureus und sein Enterotoxin B  

PPh: Kratzen soll durch die Freilegung von ECM-Adhäsionsmolekülen wie Fibronectin oder Kollagen die Bindung von Staph. aureus begünstigen. Außerdem wird die Expression von Fibronectin durch IL-4 als typischem Th2-Zytokin induziert.

Wirk: - Induktion der T-Zell-Apoptose

Lit: J Invest Dermatol 2000; 114: 281-8

- IgE-Synthese erhöht

- Induktion von Glukokortikoidresistenz

Lab: RAST auf Staphylokokken-Exotoxin

TF: - Infektionen

So: - spezifische mikrobielle Antigene von Staph. aureus oder Pityrosporum ovale/Malassezia furfur

- subklinische Aktivierung einer latenten CMV-Infektion

Lit: Br J Dermatol 2003; 148: 954-63

Note: - Impfungen von Atopie-gefährdeten Säuglingen vor dem ersten Lj. sind kein Risikofaktor für atopische Manifestationen.

Lit: Allergy 2008; 63: 1464-72

PT: RCT

- Verlust der mikrobiellen Artenvielfalt im Ekzemschub (Einfluss auf das Mikrobiom)

- psychischer Stress

- hormonelle Faktoren

Bsp: Schwangerschaft

- saisonale/klimatische Veränderungen

Bsp: starke Trockenheit, Schwüle oder Kälte

- Irritanzien

Bsp: Wolle, Schwitzen, berufliche Tätigkeit mit hoher Feucht- oder Schmutzbelastung, falsche Hautreinigung, Schwitzen, Tabakrauch

- Allergene

Note: insbes. auch exogene Aeroallergene und endogen aufgenommene Allergene

- UV-Licht

Def: lichtsensitive AD

Vork: selten

Prop: z. B. Eucerin Sun Lotion Extra Leicht® LSF 30/50 (Fa. Beiersdorf AG)

- Antibiotikum-Exposition im 1. Lj.

Lit: Br J Dermatol. 2013 Jun 20. http://doi.org/10.1111/bjd.12476 (UK)

PT: SR

Gen: Chromosomen mit AD-assoziierten Genen/Kandidatengenen:

Etlg: - 11q13

Bed: Beta-Kette des hochaffinen IgE-Rezeptors

- 3q21

Bed: kostimulatorische Moleküle CD80 und CD86

- 5q31-33

Bed: IL-3, IL-4, IL-5, IL-13, GM-CSF

- 1q21 und 17q25

Bed: Mutationen im Filaggrin-Gen auf 1q21 stellen die bekanntesten genetischen Risikofaktoren für die Entwicklung von Atopie dar.

Note: Filaggrin Loss-of-function-Mutationen sollen allerdings nicht mit spätmanifesten Formen der AD assoziiert sein.

Lit: Br J Dermatol. 2014 Oct 14. http://doi.org/10.1111/bjd.13477 (Slowenien)

Vork: Filaggrin-Mutationen finden sich bei etwa 7,7% der europäischen und 3% der asiatischen Bevölkerung und sind seltener bei dunkelhäutigen Populationen.

Folg: Ein Mangel an epidermalem Filaggrin soll eine erhöhte systemische Th17-Entzündungsantwort vermitteln.

Lit: Br J Dermatol. 2016 Oct;175(4):706-12 (Dänemark)

Note: Identische Genloci finden sich auch bei der Psoriasis.

Int: Die Kandidatengene spielen wahrscheinlich für die Regulation der kutanen Entzündungsreaktionen eine Rolle.

Exp: Es wird bereits daran geforscht, Substanzen zu identifizieren, die eine Hochregulation der Filaggrin-Expression bewirken.

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2013 Sep 19. pii: S0091-6749(13)01152-4. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2013.07.027

Note: - Diesen Daten liegen meist Untersuchungen bei Pat. mit extrinsischer AD und erhöhten IgE-Spiegeln zugrunde, sodass der genetische Einfluss bei der intrinsischen AD weitgehend unbekannt ist.

- Keine HLA-Assoziation bekannt

- starker maternaler Einfluss bei der genetischen Disposition

- Positive atopische Familienanamnese bei 70% der Pat.

- Risiko der Entwicklung einer AD bei familiärer Belastung: 25% bei einem atopischen Elternteil; 75% bei zwei atopischen Eltern

- Bei eineiigen Zwillingen 70%, bei zweieiigen Zwillingen 30% Konkordanz der Symptome

Vork: - Inzidenz bei (kaukasischen) Erwachsenen: ca. 1-5%; bei Kindern: ca. 10-20%

Note: Inzidenzgipfel in den ersten beiden Lj.

- Prävalenz der Atopie: ca. 15% der Bevölkerung

Man: häufiger Beginn im Kindesalter, i.d.R. nicht vor dem 3. Lebensmonat

Vork: 70% d. F. in den ersten beiden Lj.

Prog: 75% d. F. zeigen Remission in der Pubertät

Urs: Diskutiert wird ein rel. größerer Einfluss von Th1-Lymphozyten mit dem Alter

KL: Diagnostische Kriterien von Hanifin u. Rajka

Lit: Acta Dermatol Venereol (Stockh.) 1980; 92: 44-7

Int: Die Diagnose "Atopische Dermatitis" ist wahrscheinlich, wenn mind. 3 Basissymptome und 4 fakultative Symptome bei einem Pat. vorliegen.

Bed: Die Kriterien von Hanifin u. Rajka werden am häufigsten zitiert. Der Vorteil liegt in einer Sensitivität von fast 100% bei jedoch rel. niedriger Spezifität von 78%.

Altn: modifizierter Atopie-Score von Diepgen

Lit: Diepgen T, 1991: Die atopische Hautdiathese. Gentner, Stuttgart

Bed: insbes. für berufsdermatologische Fragestellungen geeignet

Etlg: - Basissymptome/Hauptkriterien/Majorkriterien

- Pruritus

KL: Pat. kratzt, bis es blutet, also bis zu den Nervenendigungen im Korium

Note: - Der atopische Pruritus scheint nicht durch Histamin, sondern durch andere Mastzellmediatoren und Neuropeptide ausgelöst zu sein.

Lit: Br J Dermatol 2000; 142: 1114-20

- Der atopische Pruritus zeigt das Allokinese-Phänomen.

Def: Nach Beginn des Juckreizes ist die umgebende Haut für leichtere Stimuli (z. B. Textilien) hochsensibel.

- Ekzem

Bef: trockene, verdickte, schuppende, gerötete, lichenifizierte Haut

Note: - Die Haut ist aufgrund von Akanthose und Infiltraten verdickt.

- Im Akutstadium kann sich das Ekzem auch nässend darstellen. 2

Lok: - Beugenbetonung bei Erwachsenen (und Kindern) 5

- Streckseiten- und Gesichtsbetonung bei Säuglingen (und Kleinkindern)

Note: Das reverse Muster an den Streckseiten ist häufig "diskoid".

- i.d.R. Aussparung der Windelregion im Säuglingsalter

Note: Milchschorf zählt zu den Nebenkriterien.

- Chronizität

Def: chronischer oder chronisch rezidivierender Verlauf

- Anamnese

Def: positive Eigenanamnese oder Familienanamnese für Atopiekrankheiten (allergisches Asthma, Rhinitis allergica, atopische Dermatitis)

- fakultative Symptome/Nebenkriterien/Minorkriterien/Atopiestigmata

- Milchschorf 2

Syn: Crusta lactea, Eczema infantum, Säuglingsekzem

Amn: nach dem 3. Lebensmonat

Bef: gelbliche Krusten des Kapillitiums, die an Milch erinnern, die nach dem Überkochen auf dem Herd angetrocknet ist

Th: - Dimeticon plus Dicaprylyl Carbonat

Phar: Loyon® (Fa. Pohl-Boskamp)

Eig: physikalisches Wirkprinzip, ohne Konservierungsmittel, ohne Farb- oder Duftstoffe, geruchsneutral, kein Hautbrennen

- Panthenol und Mandelöl (bei schwach saurem pH4)

Phar: Avène Pédiatril Pflegegel bei Milchschorf® (Fa. Pierre Fabre Dermo-Kosmetik GmbH)

- Macadamiaöl und Olivenöl und Jojobaöl

Phar: BabyBene® Gel (Fa. InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH)

- Xerosis cutis/Sebostase

- assoziierte Hauterscheinungen

Bef: - Alopecia areata

- Dyshidrosis

- Hyperhidrosis

- Ichthyosis-Hand

Vork: 50% d. F.

Def: verstärktes Handfurchenrelief/Handlinienmuster

- Keratosis pilaris

Bef: "Reibeisenhaut"

- Lichen simplex chronicus

- Pityriasis alba

Bef: hypopigmentierte Rundherde mit feiner, trockener Schuppung

Urs: fokal mangelhafter Pigmenttransfer von Melanozyten zu Keratinozyten

- zervikale postinflammatorische Hyperpigmentierungen ("dirty neck")

- vordere Halsfalten

Engl: Anterior neck folds

Bef: prominente, horizontale Falten in der Mitte der vorderen Halspartie

- besondere Ekzem-Lokalisationen

Bef: - Mamillenekzem

Engl: Nipple dermatitis

- Ohrläppchenrhagaden

Engl: Infra-auricular fissuring

- Gehörgangsekzem

- Lippenekzem und Mundwinkelrhagaden

Syn: Cheilitis sicca und Perlèche

Kopl: Pseudo-Parrot-Furchen

Note: "Echte" Parrot-Furchen treten bei Lues auf.

- Handekzem

Bef: meist dyshidrotisches Ekzem

So: Fingerkuppenekzeme/Pulpitis sicca (Minimalform der AD)

DD: - rein mechanische induzierte Pulpitis

- Pulpitis durch Fremdkörpereinbringung

- Fußekzem

Bef: - "Atopische Winterfüße"

Engl: Atopic winterfeet

- juvenile Plantardermatose

- Vulvaekzem

Engl: vulvar dermatitis

- periorale Dermatitis und periorbitale Dermatitis

- atopisches Lidekzem 3

- perifollikuläre Betonung des Ekzems

- prominente pruritische periumbilikale Papeln

Engl: prominent pruritic periumbilical papules

Vork: bei Kindern

- atopische Erythrodermie (Maximalvariante)

Ekzemsuperinfektionen

Urs: Störung der T-Zell-Funktion

KL: - Eczema herpeticatum

- Impetigo contagiosa

Err: v. a. Staph. aureus

Bed: Besiedlung korreliert mit Schwere des Ekzems

- mikrobielles Ekzem

- Eczema molluscatum

- Verrucae vulgares

- Mykosen

So: Pityrosporum-Follikulitis

Err: Pityrosporum ovale/Malassezia furfur

- weißer Dermographismus

- zentrofaziale Blässe bei geröteten Wangen

- Schweißausbrüche

- Juckreiz durch Schwitzen

Hyp: IgE-vermittelte Hypersensitivität gegenüber einem Schweißantigen

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2013 May 28. pii: S0091-6749(13)00587-3. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2013.03.047 (Japan)

AG: MGL, 1304 von Malassezia globosa soll ein Hauptantigen im menschlichen Schweiß sein und bei Atopikern Typ 1-Allergien auslösen können

- fehlender oder abgeschwächter Korneal- und Rachenreflex

- Aggravierung durch Emotionen oder Stress

- erhöhte IgE-Serumspiegel (extrinsischer Typ)

- positive Reaktionen im Prick- oder Intrakutantest

- Hyposensibilität auf potente Kontaktallergene

- Nahrungsmittelintoleranzen

Bef: Unverträglichkeit von z. B. Zitrusfrüchten, Erdbeeren, Tomaten (unspezifische Histaminliberatoren), Alkohol

Di: Eliminations-Provokations-Diät (siehe: Nahrungsmittelallergie)

Erg: Eine Subgruppe von erwachsenen Atopikern verbessert sich klinisch unter Pseudoallergen-armer Diät

Lit: Clin Exp Allergy 2000; 30: 407-14

- Hautunverträglichkeiten von Wolle, Seife, Metallschmuck, Fettlösungsmitteln

- okuläre und periorbitale Anomalien

Bef: - faltige, leicht schuppende Lider (Aspekt einer scheinbaren Voralterung)

- Dennie-Morgan-Infraorbitalfalte

Bef: doppelte, untere Lidfalte

- Hertoghe-Zeichen: Rarefizierung (Ausfall) der lateralen Augenbrauen

DD: - Hypothyreose

- Panhypopituitarismus

- Lues (L II)

- Lepra (lepromatöser Typ)

- Intoxikation

- Trichotillomanie

- Ulerythema ophryogenes

- periorbitale Pigmentierung oder halonierte Augen mit dunklem Kolorit

Engl: periorbital darkening/"Allergic shiners"

- periorbitale Milien

Urs: Verstopfung der Talgdrüsen

DD: NW nach längerer topischer Steroidbehandlung

- Konjunktivitis

Verl: rezidivierend

- Keratokonus

Def: vorgewölbte Kornea

Th: Korrektur durch harte Kontaktlinsen

- Katarakt

Def: meist anteriorer subkapsulärer Katarakt

- Netzhautablösung

Note: Bei Kleinkindern sollen lediglich die Minorkriterien (Xerosis cutis, faziales Erythem und Aggravierung durch Umweltfaktoren) statistisch bedeutsam sein.

Lit: J Am Acad Dermatol 2000; 43: 785-92

So: - besondere Manifestationsformen

Bef: - Cheilitis

- Eczema herpeticatum

CV: Pat. mit AD sind von HSV-Pat. und Pockenimpflingen fernzuhalten wegen Gefahr eines Eczema herpeticatum bzw. vaccinatum.

- Impetiginisierte AD 3

- Mamillenekzem

- Ohrläppchenrhagaden

- Perlèche

- periorale und periorbitale Dermatitis

- atopisches Hand- und Fußekzem und Pulpitis sicca

- Vulvaekzem

- Prurigoform der AD

Bef: juckende Knötchen und Knoten

- prominente pruritische periumbilikale Papeln

Lit: Pediatr Dermatol 1999; 16: 436-8

- Teilsymptom bei Syndromen

- Netherton-Syndrom

- Wiskott-Aldrich-Syndrom

- Churg-Strauss-Syndrom (CSS)

- Dubowitz-Syndrom

- Hyper-IgE-Syndrom

DD: Auswahl weiterer wichtiger DD bei Dermatitis/Ekzem

Etlg: - Kindesalter

- Teilsymptom bei Syndromen (s. oben)

- Acrodermatitis enteropathica

- seborrhoische Dermatitis

- Skabies

- Phenylketonurie

- Langerhanszell-Histiozytose

- Netherton-Syndrom

- Omenn-Syndrom

Def: Immundefizienz-Syndrom

HV: - pruritische indurierte erythroderme Hautveränderungen mit Faltenbildung

- Alopezie von Haaren, Wimpern und Augenbrauen

- disseminierte Lymphadenopathie

- MALT1-Defizienz

Def: Immundefizienz-Syndrom

Allg: Die Proteinase MALT1, die zusammen mit BCL10 und Mitgliedern der CARD-Familie den CBM-Signalosomenkomplex bildet, spielt eine direkte Rolle bei der NF-κB-Aktivierung.

- selektiver IgA-Mangel

- Agammaglobulinämie

- Mukoviszidose

- Biotinstoffwechseldefekte

Urs: multipler Carboxylasemangel mit reduzierter Biotinidaseaktivität

So: Holocarboxylase-Synthetase-Mangel

Def: erbliche Stoffwechselstörung, wodurch der Körper das Vitamin Biotin nicht wirksam nutzen kann. Die Symptome sind dem Biotinidase-Mangel sehr ähnlich.

- Infektiöse Dermatitis assoziiert mit HTLV-1

Lit: Dermatol Clin. 2014 Apr;32(2):237-48 (Südafrika und Brasilien), An Bras Dermatol. 2017 Jul-Aug;92(4):573-574

- Erwachsenenalter

- Kontaktdermatitis (KD)

- seborrhoische Dermatitis

- CTCL (Lymphome, kutane)

- Skabies

- Pellagra

- Glukagonomsyndrom (Erythema necrolyticum migrans)

- Onchozerkose

Lab: - Gesamt-IgE

Meth: z. B. PRIST

Note: Die Einheit der IgE-Konzentrationen lautet kU/l, wobei 1 kU/l genau 2,4 ng/ml entspricht.

- Nachweis spezifischer IgE

AG: z. B. Pollen, Nahrungsmittel, Hausstaub, Schimmelpilze, Tierhaare

So: - IgE gegen Staphylokokken-Enterotoxin B (SEB)

Bed: korreliert mit der Schwere der HV

Lit: Allergy 2000; 55: 551-5

- IgE gegen Malassezia species

Bed: korreliert mit Schwere der AD

Lit: Acta Derm Venereol. 2014 Apr 3. http://doi.org/10.2340/00015555-1864 (Schweiz)

Meth: RAST bzw. EAST

CV: Prüfung der klinischen Relevanz in jedem Einzelfall

Meth: z. B. Karenzmaßnahmen mit Führen eines Beschwerdetagebuchs oder Provokationstestung

- Immunelektrophorese

Ind: Ausschluss eines selektiven IgA-Mangels oder einer Agammaglobulinämie bei klinischem Verdacht

- Zink und Biotinidaseaktivität im Serum

Ind: insbes. bei schweren Formen im Kindesalter zur DD

- Eosinophilie im BB

- ECP im Serum

Bed: Ein erhöhter ECP-Spiegel kann gerade im Alter von 0-2 Jahren und bei Oligosymptomatik als Marker für eine mögliche intrinsische AD dienen (eine Unterscheidung von der extrinsischen Form ist dadurch per se aber nicht möglich)

Lit: Acta Derm Venereol. 2013 Oct 15. http://doi.org/10.2340/00015555-1715 (Korea)

- EDN (Eosinophil Derived Neurotoxin) im Serum

Note: Der Serumspiegel von EDN scheint die Krankheitsaktivität besser widerspiegeln zu können als der ECP-Serumspiegel

Lit: J Dermatol Sci 2001; 26: 79-82

- EPX (Eosinophiles Protein X) im Urin

Lit: Allergy 2001; 56: 780-4

Engl: Urine eosinophil protein X

Bed: In-vitro-Marker für die Entzündungsaktivität

- Leukotriene (Cysteinyl-Leukotrien) im Urin

Lit: Allergy 2002; 57: 732-6; Clin Exp Dermatol 2004; 29: 277-81

Bed: In-vitro-Marker für die Entzündungsaktivität

Note: Die Leukotriene werden wahrscheinlich von Entzündungszellen wie Eosinophilen freigesetzt und bieten eine Rationale für den möglichen Einsatz von Leukotrienantagonisten.

- IL-16 im Serum

Lit: Allergy 2002; 57: 815-20

Bed: (experimenteller) Marker für die Krankheitsaktivität

- CTACK

Def: Cutaneous T-cell attracting chemokine

Lit: Clin Exp Dermatol 2004; 29: 293-6

Bed: (experimenteller) Marker für die Krankeitsaktivität

- DFS-70-Ak

Bed: experimentell

Def: Autoantikörper gegen Kernantigene, die sich immunhistochemisch "dense fine speckled" darstellen

Lit: J Allergy Clin Immunol 2000; 105: 1211-20

Di: - Atopieabklärung nach obigen Haupt- und Nebenkriterien

- ggf. Hautbiopsie

- Laboruntersuchungen

- mikrobiologische Diagnostik

Etlg: - Bakteriologie

Meth: Wundabstrich

- Mykologie

Meth: Pilzkultur, Histologie

- Herpesdiagnostik

Ind: V. a. Eczema herpeticatum

- Prick-Test

Note: bei Atopikern oft Multiallergien

Erg: - häufige Allergene bei Kindern sind Nahrungsmittelproteine

Bsp: Milch, Ei, Weizen, Nüsse

- häufige Allergene bei Erwachsenen sind Inhalationsallergene

Bsp: Pollen, Milben, Tierhaare, Federn

- Atopie-Patch-Test

Meth: epikutane Applikation von Aeroallergenen

Vor: verwertbare Testergebnisse meist nur bei anamnestischem Verdacht

Bed: kein Routinediagnostikum

- Nahrungsmittelprovokation

Ind: V. a. auf bestimmte Nahrungsmittel als Trigger der AD

Meth: Empfohlen wird eine doppelblinde, plazebokontrollierte Provokation an mind. 3 Tagen mit Wiederholung nach 1-2 Jahren.

Lit: LL DDG

- ophthalmologisches Konsil

Bef: ggf. Konjunktivitis, Keratokonus, Katarakt

Verl: typischerweise schubhafter/wellenförmiger Verlauf

KL: Akuitätsbeurteilung mittels klinischer Scores

Bsp: SCORAD

Lit: Dermatology 1993; 186; 23-31

Bed: wird am häufigsten benutzt

Lab: - lösliches E-Selektin

Bed: experimenteller Marker zur Verlaufskontrolle

Engl: soluble E-selectin

Allg: Die verstärkte Expression von Adhäsionsmolekülen auf endothelialen Zellen ist ein wesentlicher Faktor für die Regulation der Leukozytenmigration zum Entzündungsort. Diese Moleküle lösen sich in gewissem Umfang ab und sind im zirkulierenden Blut nachzuweisen.

Meth: Bestimmung per ELISA

Note: Messung von sICAM-1 oder sVCAM-1 scheint für die AD nicht verwertbar.

- IL-5

Bed: experimentelle Serummarker zur Verlaufskontrolle: Abnahme bei klinischer Besserung

Lit: J Dermatol 2001; 28: 237-43

- SCF (Stem cell factor) und sein Rezeptor KIT (tyrosine kinase transmembrane receptor)

Bed: experimentelle Serummarker zur Verlaufskontrolle: Abnahme bei Besserung

Lit: Br J Dermatol 2001; 144: 1148-53

- NGF (Nerve growth factor) und Substanz P

Bed: experimentelle Serummarker zur Verlaufskontrolle: Abnahme bei Besserung

Lit: Br J Dermatol 2002; 147: 71-9

Th: - Hautschutz/Allgemeinmaßnahmen (Sekundärprävention)

Meth: - Identifikation und Elimination o. g. Triggerfaktoren

So: Eliminationsdiät

Ind: sicherer Nachweis von bestimmten Nahrungsmitteln als Trigger der AD

- Meiden von potentiellen Irritanzien oder Kontaktallergenen

Bsp: - kein Metallschmuck

- keine abrasive oder okklusive Kleidung

Altn: - Leinen, locker gewebte Baumwolle

- Mikrofaser-Neurodermitis-AnzügeDelimed®; Bezugsadr.: Delius GmbH, Weyerhofstr. 20, 47803 Krefeld, E-Mail: service@delimed.de; Internet: http://www.delimed.de

Ind: Atopiker im Säuglings-, Kleinkindes-, Jugend- und Erwachsenenalter

- Hypoallergene Waschmittel

Bsp: Hyposan Vollwaschmittel®

Eig: ohne Farb- und Duftstoffe, ohne Bleichmittel, ohne optische Aufheller, ohne Enzyme und Proteine, ohne Phosphat und Formaldehyd

- keine hautbelastenden Tätigkeiten

Bsp: Tätigkeiten mit hoher Feucht- oder Schmutzbelastung

Altn: - qualifizierte Berufsberatung

- Patientenschulung

- Erstellung eines tätigkeitsgeprüften Hautschutzplans

- ambulante und stationäre Rehabilitationsmaßnahmen

- Meiden von Xerose-verstärkenden Faktoren

Bsp: - keine entfettenden Seifen

Altn: - Badeöle

- Syndets

Allg: "Syndets" entstand aus der Bezeichnung für Tenside, die nicht durch Verseifung entstehen; heutzutage wird der Begriff v. a. für seifenfreie Hautreinigungsmittel benutzt

- rückfettende Hautpflege nach dem Duschen oder Baden

- Schaffung einer allergenarmen häuslichen Umgebung

Bsp: - Verzicht auf pelztragende Haustiere

- Hausstaubmilben- und Schimmelpilzsanierung der Wohnung

- Minimierung der Pollenkontaktzeit

Meth: - Urlaube in der Pollenflugzeit

- Schlafen bei geschlossenem Fenster, abendliche Haarwäsche

- externe Therapie

Etlg: - Glukokortikoide

Ind: akutes Stadium

Bed: GS

Stoff: Auswahl:

- Methylprednisolonaceponat

Phar: Advantan® (Creme, Salbe, Fettsalbe, Milch, Lösung)

- Prednicarbat

Phar: Dermatop® (Creme, Salbe, Fettsalbe, Lösung)

Lit: Clin Pharmacol Ther 1993; 54: 448-56

PT: RCT

Erg: Vorteile von Prednicarbat gegenüber Betamethason 17-valerat im Nutzen-Risiko-Verhältnis

- Mometasonfuroat

Phar: Ecural® Salbe/Fettcreme/Lösung, Monovo® Salbe/Creme/Emulsion, MomeTop® Creme, MomeGalen® Salbe

Lit: - J Am Acad Dermatol 1991; 24: 603-7

PT: RCT

Erg: Überlegenheit von 0,1% Mometason 1x/Tag im Vergleich zu Hydrokortison 1,0% 2x/Tag bei Kindern mit AD

- J Int Med Res 1990; 18; 460-7

PT: RCT

Erg: Vergleichbare Wirksamkeit von 0,1% Mometason 1x/Tag zu Betamethason 0,1% 2x/Tag

- Clobetasol

Phar: - Karison® (Creme, Salbe, Fettsalbe, Crinale Lösung)

- Clarelux® Schaum (für die Kopfhaut)

Note: Eine kurztägige Anwendung eines potenten topischen Steroids ist vergleichbar effektiv wie eine mehrtägige Applikation eines weniger potenten Steroids bei milder bis moderater AD bei Kindern.

Lit: BMJ 2002; 30: 324: 768

PT: RCT

- antibakterielle Substanzen/Antiseptika

Ind: V. a. bakterielle Superinfektion insbes. bei nässenden Hautpartien mit gelblichen Krusten

Err: v. a. Staph. aureus

Etlg: - Cremes/Salben

Stoff: - Fusidinsäure

Phar: - Fucidine® (Creme, Salbe)

- Fucidine® plus Salbe (enthält Hydrocortison)

- Fucicort® Creme (enthält Betamethason)

Altn: Fusicutan® plus Betamethason

Note: hoher Anteil an Resistenzentwicklung bei Staph. aureus

Lit: Br J Dermatol 2003; 148: 1018-20

EbM: keine CT

- Mupirocin

Phar: Turixin® Salbe

Ind: Elimination von Staphylokokken der Nasenschleimhaut

EbM: keine CT

- Triclosan

Rp: Triclosan 2% Creme NRF 11.122

Lit: Hautarzt 2002; 53: 724-9

PT: Evaluierungsstudie

Co: Hydrocortison 1% oder Urea 5% oder Nachtkerzenöl 20%

Phar: Sicorten® plus Creme (enthält Halometason 0,05%), Infectocortisept® Creme

Lit: J Int Med Res 1983; 11: S53-7

PT: RCT

Erg: Überlegenheit der Kombination Triclosan u. Halometason gegenüber Neomycin u. Fluocinolon in der Therapie akuter superfizieller bakterieller Hautinfektionen

- Retapamulin

Lit: J Drugs Dermatol. 2012 Jul 1;11(7):858-60

Phar: Altargo 1% Salbe

- Lösungen für Pinselungen oder feuchte Aufschläge

Stoff: - Gentianaviolett Lösung 0,25%

Engl: Gentian violet

Syn: Pyoktanin Lösung, Methylrosaniliniumchlorid Lösung 0,25% NRF 11.69

Neg: oft kosmetisch störend, austrocknend

Lit: Dermatology 1999; 199: 231-6

PT: RCT

Erg: gute Staphylokokkenwirksamkeit

Altn: Eosin Lösung 1-2%

- Octenidin

Phar: Octenisept® Lösung

EbM: keine CT

- Polyvidonjod

Syn: Polyvinyl-Pyrrolidon-Jod

Phar: Braunol® 2000 Lösung (Badezusatz)

EbM: keine CT

- 8-Chinolinolsulfat

Phar: - Leioderm® Creme

- Solutio Hydroxychinolini® 0,1%/0,4%

EbM: keine CT

- Kaliumpermanganat-Lösung 0,01-0,1%

KI: keine Anwendung bei Kindern, da toxisch

EbM: keine CT

- steroidfreie antientzündliche Externa

Ind: subakute bis chronische Dermatitis oder steroidgeschädigte Haut

Bsp: - Steinkohleteerpräparate

Engl: Tar preparations

Neg: - nicht bei Kindern

- oft kosmetisch störend

- keine gleichzeitige UV-Therapie

Rp: - Liquor carbonis detergens 3-10% in Grundlage (Grundlage: z. B. Cold Cream® oder Dermatop® Basiscreme)

- Pix lithanthracis 2-5% in Zinköl (DAB10)

Lit: Br J Dermatol 1989; 121: 763-6

PT: CT

Erg: Vergleichbare Wirksamkeit zu Hydrokortison 1%

- Bituminosulfonate (Ichthyol®)

Engl: Sulfonated shale oil

NW: selten Unverträglichkeitsreaktionen

Phar: - Ichthoderm® Creme (Fa. Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. GmbH & Co. KG)

Stoff: Natriumbituminosulfonat 2%

- Ichthosin® Creme (Fa. Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. GmbH & Co. KG)

Stoff: Natriumbituminosulfonat 4%

- Ichthocortin® Gel (Fa. Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. GmbH & Co. KG)

Stoff: Natriumbituminosulfonat 2% + Hydrocortisonacetat 0,2%

- Ichtho®-Bad Badezusatz (Fa. Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co. GmbH & Co. KG)

Stoff: Ammoniumbituminosulfonat

Note: unverdünnt auftragen und anschließend abduschen oder als Badezusatz

EbM: keine CT

- Hypericum perforatum (Johanniskraut)

Engl: Hypericum (Saint John's wort)

Stoff: - Hyperforin

Wirk: - immunsuppressiv

- antibakteriell, auch gegen Staph. aureus

Dos: 1,5% Creme

Lit: - Phytomedicine 2003; 10: S31-7

PT: RCT

- Hautarzt 2003; 54: 248-53

PT: RCT

Phar: Bedan® Creme

Pos: - keine Photosensibilisierung

- wahrscheinlich niedriges Sensibilisierungsrisiko

- Hypericin

Bed: noch nicht etabliert

- Färberwaid (Extrakt aus der Waidpflanze)

Phar: Dermasence Vitop forte® (Fa. P&M Cosmetics GmbH & Co. KG)

Co: Grüner Tee, Aloe vera

- Muttermilch

Lit: Int J Dermatol. 2015 Feb 2. http://doi.org/10.1111/ijd.12764 (Iran)

PT: RCT

Bed: umstritten

Lit: BMC Dermatol. 2015 May 4;15:7 (Norwegen)

PT: kleine RCT

Erg: kein therapeutischer Effekt

- Echinacea

Phar: Echinacea Curarina® Salbe

Bed: noch nicht etabliert

- Natrium-Cromoglicinsäure

Engl: Sodium cromoglycate

EbM: multiple RCT

Dos: niedrig dosiert oder zwischen 1-10%

Phar: Altoderm®

Dos: 4%

Lit: Br J Dermatol 2005; 152: 334-41

PT: RCT

Ind: insbes. im Kindesalter geeignet

- Vit.-B12-Creme

Wirk: Vitamin B12 (Cyanocobalamin) reduziert Stickoxid (NO).

Lit: Br J Dermatol 2004; 150: 977-83

PT: RCT

Dos: 0,07%

Phar: Regividerm® Creme

Appl: 2x/Tag für 8 Wochen

- Lithium

Phar: Efadermin® Salbe

Inh: Lithiumsuccinat 8%, Zinksulfat 0,05%

- Bufexamac

Def: Arylessigsäurederivat

Dos: 5%

Phar: - Duradermal® (Creme, Salbe, Fettsalbe, Lotio)

- Parfenac® (Creme, Salbe, Fettsalbe, Milch)

Appl: 1-3x/Tag

NW: relativ hohes Sensibilisierungsrisiko

Wirk: gering

Bed: umstritten

Lit: Dermatologica 1977; 154: 177-84

PT: RCT

Erg: kein signifikanter Effekt gegenüber Plazebo, jedoch deutliche Unterlegenheit gegenüber diversen steroidalen Externa bei verschiedenen entzündlichen Dermatosen

So: Tacrolimus, Pimecrolimus

- spezifische Substanzen

Wirk: insbes. gegen Juckreiz

Bsp: - harnstoffhaltige Externa

Bsp: - Excipial® U Hydrolotio (2%)/U Lipolotio (4%)

- Sebexol® Creme Lotio cum 5% urea

- Kerasal® Basissalbe (10%)

- Nubral® Creme (10%)

- Ureotop® Creme/Salbe (12%)

Co: Beispiele für Kombinationsprodukte:

Phar: - Carbamid VAS Creme Widmer® (12%)

Inh: + Tretinoin 0,03%

- Calmurid® Lotion/Creme (10%)

Inh: + Milchsäure 5%

- Calmurid® HC Creme (10%)

Inh: + Milchsäure 5% + Hydrocortison 1%

- Nubral® 4 Creme (4%)

Inh: + Natriumchlorid 4%

- Nubral® 4 HC Creme (4%)

Inh: + Natriumchlorid 4% + Hydrocortison 0,5%

Altn: Argininhydrochlorid 2,5%

Lit: Hautarzt 2004; 55: 58-64

- Polidocanol = Macrogollaurylether

Phar: - Anaesthesulf® (8%) Lotio

Ind: juckende nässende Hautpartien

- Polidocanol-600-Zinkoxidschüttelmixtur 3%, 5% oder 10% (weiß/hautfarben) NRF 11.66

S: vor Gebrauch schütteln, Auftragen mit Pinsel, Hautreinigug mit Olivenöl

- Optiderm® (3%) Creme/Lotion

Inh: plus Harnstoff 5%

- Balneum Hermal® plus

Def: flüssiger Badezusatz

Altn: Sebexol® Liquidum

- synthetische Gerbstoffe

Eig: Tannin-artig

Bsp: Tannolact® Creme/Fettcreme/Lotio/Badezusatz

- Teerpräparate (s. oben)

- Menthol

Rp: - Menthol 1% in Lotio alba

- Menthol 5% in Basiscreme DAC

- Menthol 5% in Ungt. leniens

- alpha-Bisabolol

Syn: Levomenol

Def: ätherischer Wirkstoff der Kamille

Phar: Sensicutan® Creme

Co: Heparin

- Campher 5% in Basiscreme DAC

- Dexpanthenol

Rp: Dexpanthenol 5% Creme, hydrophil NRF 11.28

- Capsaicin

Def: Extrakt aus weißem Pfeffer

Wirk: Rezeptoren für Capsaicin sind Kalziumkanäle von Neuronen, wodurch eine Speicherentleerung der Substanz P aus den Neurovesikeln hervorgerufen wird

Dos: 0,025% bis 0,1% in Grundlagen (z. B. Unguentum leniens)

Phar: Capsamol Salbe®

Dos: 0,05%

Bed: nur eingeschränkte antipruriginöse Wirkung bei der AD

Lit: Arch Dermatol Res 1998; 290: 306-11

PT: RCT

- Doxepin

Lit: - J Am Acad Dermatol 1994; 31: 613-6

- Int J Dermatol 1999; 38: 145-8

- J Am Acad Dermatol 1999; 41: 209-14

Dos: 5%

Co: verstärkter Effekt durch Einarbeitung in steroidhaltige Externa (z. B. Triamcinolon 0,025%)

Bed: experimentell trotz Vorliegens obiger RCT

- wirkstofffreie Externa zur allgemeinen Hautpflege/Basistherapie ("Zwischenfetten")

Note: Hierzu können auch die o.g. harnstoffhaltigen Externa gezählt werden.

Ind: im akuten und chronischen Stadium

Bsp: - Dermifant® Kindercreme (Fa. Allergika Pharma Gmbh)

Ind: Basistherapie für Kinder ab dem 1. Lebenstag

Note: Die Dermifant®-Reihe umfasst ferner eine Kinderlotion, ein Kinderölbad und ein Kindershampoo sowie eine Sonnschutzcreme 50.

- Lipikar® Baume AP+ (La Roche-Posay, L´ORÉAL Deutschland GmbH)

Inh: Lysat des Bakteriums Vitreoscilla filiformis (Aqua Posae Filiformis), kultiviert in Thermalwasser aus La Roche-Posay

Wirk: - Erhöhung der Transkription antimikrobieller Peptide

- Reduktion von Staph. aureus

- Steigerung der Genexpression von Filaggrin

- Dexeryl® Creme (Fa. Pierre Fabre Dermo-Kosmetik GmbH)

- Excipial® Mandelölsalbe/Mandelöllotion (Fa. Galderma Laboratorium GmbH)

- Lipoderm® Lotion (Fa. Galderma Laboratorium GmbH)

So: - Physiogel ® Creme, Physiogel A. I. ® Creme (Fa. Stiefel, GSK Consumer Healthcare GmbH & Co. KG)

Def: Externum mit Derma-Membran-Struktur (DMS-Cremes)

Eig: gelartige Struktur durch hydriertes Lecithin

- Eucerin AtopiControl® Lotion/Creme/Akutpflege Creme/Gesichtscreme (Fa. Beiersdorf AG)

Inh: 12% Omega-6-Fettsäuren, Licochalcone A, Menthoxypropandiol (kühlendes Menthol-Derivat)

- Physiotop AKUT® Intensiv-Creme/Intensiv-Lotion (Fa. Dermatpharm AG)

Inh: Avenanthramide (Hafer-Extrakt), Boswellia (Weihrauchharze), Niacinamid (Vitamin B3)

- Cetaphil Restoraderm® Pflegelotion (Fa. Galderma Laboratorium GmbH)

Inh: mit Filaggrin- und Ceramid-Bausteinen

- Lipikar® Balsam AP (La Roche-Posay, L´ORÉAL Deutschland GmbH)

Inh: mit 4% Niacinamid

- Exomega® Control von A-DERMA Milch/Creme/Balsam/Duschöl/Pflegebad (Fa. Pierre Fabre Dermo-Kosmetik GmbH)

Inh: Rhealba® Jungpflanzenextrakt

- Avène® Xeracalm A.D Rückfettende Creme/ Rückfettender Balsam/ Rückfettendes Reinigungsöl (Fa. Pierre Fabre Dermo-Kosmetik GmbH)

- Linola plus® Creme/Hautmilch (Fa. Dr. August Wolff GmbH & Co. KG Arzneimittel)

Inh: Wurzelextrakt aus Echinacea purpurea

Note: auch bei Babys und Kleinkindern einsetzbar

- Neuroderm® Pflege Lotio, Pflegecreme, Pflegecreme Lipo, Repair (Fa. InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH)

Inh: - Pflege Lotio mit 25% Lipiden und Avocadoöl, W/O-Emulsion

- Pflegecreme mit 30% Lipiden, W/O-Emulsion

- Pflegecreme Lipo mit 50% Lipiden und Mandelöl, W/O-Emulsion

- Repair mit Ceramiden, freien Fettsäuren und Cholesterol im physiologischen 3:1:1-Verhältnis

- Imlan Creme® und Imlan Creme plus® (Fa. Birken AG)

Inh: Betulin (plus mit Bienenwachs und Urea 3%) als Haupttriterpen des Birkenkorks

- Dermaplant® (Fa. Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG)

Inh: pflanzlicher Wirkstoff des Mönchsköpfchens

- Belixos® (Fa. Biofrontera Pharma GmbH)

Inh: Extrakt der traditionellen Heilpflanze Mahonie (Mahonia aquifolium), eines nordamerikanischen Berberitzengewächses (aus der indianischen Naturmedizin), ferner Kamillen- und Grüntee-Extrakte

- Akut Creme Potentilla® (Dr. Hauschka, Fa. WALA Heilmittel GmbH)

Inh: Blutwurz (Potentilla erecta) aus der Gruppe der Rosengewächse

- nichtsteroidale Immunsuppressiva/Immunmodulatoren

Allg: Bindet der Komplex aus Antigen im MHC-I-Molekül der antigenpräsentierenden Zelle (APC) mit dem T-Zell-Rezeptor (TCR) der T-Zelle, so werden aktivierende Signale von der APC auf die T-Zelle gesendet. Ein Problem der bereits bestehenden Immunsuppressiva ist, dass ihre Spezifität noch nicht optimal ist.

Stoff: - Calcineurin-Inhibitoren

Bed: Im Akutstadium z.Z. noch Mittel 2. Wahl nach topischen Steroiden

Lit: Am J Clin Dermatol 2004; 5: 267-79

PT: MA

Etlg: - Tacrolimus

Syn: FK506

EbM: multiple RCT

Phar: Tacrolimus® Dermapharm 1 mg/g Salbe, Protopic®

Note: - 10-100x stärkere Hemmung der T-Zell-Aktvierung als durch Cyclosporin A

- Versuche mit topischem Cyclosporin A scheiterten zunächst; vermutlich weil die perkutane Penetration nicht ausreichend war. Allerdings sind Erfolge durch eine neuartige Mikroemulsion (Sandimmun Neoral®) beschrieben.

Dos: 0,03% oder 0,1% Salbe 2x/Tag

Appl: teils auch proaktiv bzw. zur Erhaltungstherapie (z. B. 2x/Woche für mehrere Monate zur Reduktion der Schubfrequenz und -schwere)

Note: Steroide wie Betamethasonvalerat sind für die proaktive Therapie nicht geeignet.

Lit: Br J Dermatol. 2013 Dec 14. http://doi.org/10.1111/bjd.12778 (UK)

Ind: - auch im Kindesalter möglich

Lit: - J Am Acad Dermatol 2001; 44: S47-57 und S58-64

PT: RCT

- J Allergy Clin Immunol 2002; 109: 539-46 und 547-55

PT: RCT

- effektiver und sicherer Einsatz auch bei Kindern < 2. Lj.

Lit: Arch Dermatol 2003; 139: 1184-6

- Pimecrolimus

Syn: SDZ ASM 981

EbM: multiple RCT

Phar: Elidel® Creme 1%, Douglan® Creme 1%

Dos: 1% Creme

Pos: - Hinweise für Clobetasol-Wirksamkeit ohne die steroidalen NW, insbes. keine Hautatrophie

- rel. Selektivität für kutane Inflammation

- insbes. auch für Gesicht und Intertrigines geeignet

- Eignung auch für die jüngsten Pat. mit AD

- bisher kein (tierexperimenteller) Nachweis erhöhter Photokanzerogenität (im Gegensatz zu Tacrolimus)

Bed: - besondere Eignung und Potenz für die Rezidivprophylaxe bzw. Erhaltungstherapie bei Pat. mit hoher Schubfrequenz

- kein Benefit durch Co-Administration in der Behandlung von Pat. mit schwerer AD mit mittelstark potenten Glukokortikoiden

Lit: Br J Dermatol 2007; 157: 378-81

PT: RCT

- Typ-IV-Phosphodiesterase-Inhibitoren (PDE-4-Hemmer)

Wirk: Erhöhung des intrazellulären cAMP

Stoff: Crisaborol

Phar: Eucrisa®

Note: FDA-Zulassung Ende 2016 für AD leichten bis mittleren Grades ab 2 Jahre

Appl: topisch

Lit: J Invest Dermatol 1996; 107: 51-6, Br J Dermatol 2002; 147: 299-307, J Drugs Dermatol. 2015 Dec 1;14(12):1394-9, J Am Acad Dermatol. 2016 Sep;75(3):494-503.e4, J Drugs Dermatol. 2016 Apr;15(4):390-6

PT: RCT

- JAK-Inhitibitoren

Pos: gute orale Bioverfügbarkeit und fehlende Immunogenität (im Vergleich zu Biologika)

Stoff: Tofacitinib

Eig: Hemmung des Enzyms Januskinase 3, d. h. Beeinflussung des JAK-STAT-Signalwegs und damit der DNA-Transkription nach Übermittlung extrazellulärer Signale

Lit: Br J Dermatol. 2016 Nov;175(5):902-911

PT: RCT

Dos: 2% Creme

Bed: experimentell

- DNCB (Dinitrochlorbenzol)

Engl: Dinitrochlorobenzene

Appl: topisch

Wirk: systemisch durch Stimulation von Th1-Antworten

Ind: therapierefraktäre AD

Lit: J Am Acad Dermatol 2000; 42: 258-62

PT: CS

Meth: Sensibilisierung mit 5% DNCB; später wöchentliche Applikation von 0,2-1,0% DNCB auf ein ca. 2,5 cm2 großes Areal am Oberarm, das jedesmal rotiert

Bed: experimentell

EbM: keine CT

- Phototherapie

Bed: Nach Lokaltherapie gilt die Phototherapie standardmäßig als Second-line-Therapie; konkurrierend hierzu ist insbes. die Systemtherapie mit Cyclosporin anzusehen

Lit: Acta Derm Venereol 2001; 81: 22-7

CV: Bei Kindern unter dem 12. Lj. nur in Ausnahmefällen

Lit: LL DDG

Meth: - UVAB

Bed: UVB-Breitband überlegen, jedoch weniger potent als SUP, UVA1 oder PUVA

- SUP = Selektive Ultraviolett-Phototherapie

Ind: adjuvante Therapie im chron. Stadium

Dos: knapp unterhalb der MED

Co: - vorausgehende UVA1 (340-400 nm), ca. 10-20 Sitzungen

- Photosoletherapie

Meth: hypertones Salzbad (bis 15%), danach UVB-Bestrahlung

Bed: Überlegenheit der Schmalspektrumtherapie gegenüber Breitbandstrahler

Lit: LL DDG

- UVA1 (340-400 nm)

Ind: schwere, akut exazerbierte AD

Meth: bis max. 65 J/qcm 5x/Woche über einen Zeitraum von ca. 3 Wochen (d. h. 15 Sitzungen mit einer max. kumulativen Dosis von 975 J/qcm)

Dos: Mittlere Dosen UVA1 zeigen gleiche Effektivität wie hohe Dosen

Lit: - J Am Acad Dermatol 2001; 45: 503-7

PT: RCT

- Hautarzt 2001; 52: 423-7

PT: RCT

Neg: häufig frühzeitige Rezidive

Bed: PUVA (mit 5-MOP) zeigte sich in einer Head-to-head-Studie bei schwerer atopischer Dermatitis überlegen

Lit: Br J Dermatol. 2010 Mar;162(3):655-60

- PUVA

Lit: Br J Dermatol 2000; 142: 39-43

PT: RCT

Erg: Die Bade-PUVA mit 8-MOP ist vergleichbar effektiv zur SUP

- Balneophototherapie

Etlg: - synchron

Meth: Bad mit 10% Sole und gleichzeitiger SUP-Bestrahlung

- asynchron

Meth: Bad mit 3-5% Sole und anschließender UVAB-Bestrahlung

Lit: Hautarzt 1999; 50: 649-53

- FSL® (full-spectrum light phototherapy)

Appl: 320-5000 nm

Lit: Int J Dermatol. 2011 Jan;50(1):94-101

PT: RCT

So: - Extrakorporale Photopherese

Lit: Arch Dermatol Res 1994; 287: 48-52

PT: CS

EbM: keine CT

- Excimer Laser (308 nm)

Lit: Br J Dermatol. 2010 Oct;163(4):823-31

PT: RCT

Ind: Prurigoform der atopischen Dermatitis

- Klimatherapie

Bsp: Nordseeinseln oder Hochgebirge (> 1500 m, z. B. Davos)

Note: Genehmigung durch Kostenträger (Krankenversicherung, Rentenversicherung) wird in schweren Fällen erteilt

- systemische Therapie

- Medikamente i.e.S.

- Antihistaminika (H1-Blocker)

Ind: Juckreiz, Schlafstörungen

Note: Im Gegensatz zur Urtikaria wird Histamin bei AD nicht als die pruritogene Hauptsubstanz angesehen; die peripheren Transmitter des Juckreizes und ihre zelluläre Herkunft sind weitgehend unbekannt.

Bsp: - Cetirizin

Lit: - Pediatr Allergy Immunol 2002; 13: 278-86

PT: RCT

Erg: Hinweise für steroidsparende Effekte bei Kindern

- J Allergy Clin Immunol 2001; 108: 929-37

PT: RCT

Erg: Asthmaprotektive Wirkung bei Kindern mit AD

- J Allergy Clin Immunol 2001; 107: 703-6

PT: RCT

Erg: Urtikariaprotektive Wirkung bei Kindern mit AD

- Loratadin

Lit: Allergy 1994; 49: 22-6

PT: RCT

- Glukokortikoide

Ind: systemisch nur bei großflächigem akutem Schub

Appl: Stoßtherapie über 2-4 Tage ohne schrittweise Dosisreduktion oder 2-4 Wochen mit schrittweiser Dosisreduktion

Lit: LL DDG

Lit: Clin Dermatol 2003; 21: 225-40

Etlg: - Erwachsene

Dos: 2x/Tag 30-40 mg Prednison über max. 1 Woche, dann Absetzen oder Dosis reduzieren

- Kinder

Dos: 1 mg/kg/Tag Prednison in 2 ED über max. 1 Woche, dann Absetzen oder Dosis reduzieren

- Leukotrienrezeptorantagonisten

Ind: insbes. bei der extrinsischen Form

Stoff: Montelukast

Phar: Singulair®

Dos: 10 mg/Tag

Lit: - Eur J Dermatol 2001; 11: 209-13

PT: RCT

- Pediatr Allergy Immunol 2001; 12: 154-8

PT: RCT

Erg: auch im Kindesalter möglich

- J Am Acad Dermatol 2001; 44: 89-93;
 Acta Derm Venereol 2002; 82: 297-8

PT: RCT

Erg: mäßiger, aber signifikanter Therapieeffekt

Bed: noch nicht allgemein etabliert

- nichtsteroidale Immunsuppressiva

Stoff: - Cyclosporin A

Phar: Sandimmun®, Immunosporin®, Deximune®

Ind: - schwere AD im Erwachsenenalter

Dos: ca. 5 mg/kg/Tag zur Kontrolle der AD, dann Reduktion auf die individuelle Erhaltungsdosis

Appl: orale Gabe über max. 6 Monate in der niedrigsten Wirkdosis mit anschließender Reduktion über ca. 3 Monate

SS: Einsatz möglich

Altn: Steroide oder Azathioprin (off-label)

- schwere AD im Kindesalter

Ind: streng zu stellen

Lit: - Br J Dermatol 2000; 142: 52-8

PT: RCT

Dos: Anfangs- und Maximaldosis von 5 mg/kg/Tag

Erg: Kurzzeittherapie (multiple Intervalle von 12 Wochen) und Langzeittherapie (kontinuierlich über 1 Jahr) sind beide erfolgversprechend.

- Dermatology 2001; 203: 3-6

PT: Konsensuskonferenz

Dos: Anfangs- und Maximaldosis von 5 mg/kg/Tag

- atopische Keratokonjunktivitis

Appl: topisch, 1-2x/Tag (wenn Antihistaminika, Cromone und topische Steroide nicht wirksam oder kontraindiziert sind)

Rp: 5x 2,5 ml Ciclosporin-Liposomen Augentropfen 2%

CV: Monitoring von RR und Kreatinin im Serum

Neg: häufige Rebound-Phänomene, jedoch i. d. R. nicht so deutlich wie nach systemischen Steroiden

Lit: Clin Dermatol 2003; 21: 225-40

So: diskontinuierliche, prolongierte Erhaltungstherapie z. B. als "Wochenend-Therapie"

Lit: Pediatr Dermatol. 2015 Jul;32(4):551-2 (Spanien)

- Mycophenolat mofetil (MMF)

Ind: schwere AD und mangelnde Alternativen

Lit: LL DDG

Appl: oral

Dos: 1 g/Tag für 1 Woche, dann 2 g/Tag für weitere 11 Wochen

Lit: Br J Dermatol 2000; 143: 385-91

PT: CS

Wirk: - Erniedrigung von IgE

- Erhöhung von IFN-gamma, Erniedrigung von IL-10

Lit: J Dermatolog Treat. 2018 Apr 23:1-10. http://doi.org/10.1080/09546634.2018.1468068

EbM: keine CT

- Azathioprin

Ind: schwere AD und mangelnde Alternativen

Lit: LL DDG

Dos: 2,5 mg/kg/Tag 4x/Woche

Lit: - Clin Exp Dermatol 2001; 26: 369-75

PT: Review

- Br J Dermatol 2002; 147: 324-30

PT: RCT

Dos: 2,5 mg/kg/Tag über 3 Monate

Erg: therapeutische Effekte, aber gelegentliche Unverträglichkeiten

CV: Monitoring von BB und Leberenzymen

Lab: Thiopurinmethyltransferase (TPMT)

Def: Schlüsselenzym im Azathioprin-Metabolismus

Bed: Früher wurde ein Mangel an TPMT als Risikofaktor für Myelosuppression bei Azathioprin-Behandlung angesehen; mittlerweile scheint jedoch eine TPMT-Defizienz bei Heterozygoten vorteilhaft zu sein, weil mit kleineren Dosen ein therapeutischer Effekt erzielt werden kann bei gleichzeitig erniedrigter Hepatotoxizität

Lit: Pediatr Dermatol 2003; 20: 531-4

- Methotrexat (MTX)

Ind: - ältere Pat. mit therapierefraktärem Verlauf

Lit: J Am Acad Dermatol 2003; 48: 417-9

PT: CS

- ggf. auch für Kinder und Jugendliche

Lit: Int J Dermatol. 2014 Mar 6. http://doi.org/10.1111/ijd.12314 (Neuseeland)

PT: CS

Dos: vorzugsweise low-dose

Note: keine explizite Erwähnung in den LL DDG

EbM: keine CT

IL-4-Rezeptor-alpha-Ak

Syn: Dupilumab

Eig: vollständig humaner monoklonaler IgG4-Ak gegen die IL-4Rα-Untereinheit des IL4- und IL-13-Rezeptors

Phar: Dupixent®

Appl: 2x/Monat s.c. im Bereich des seitlichen Abdomens oder Oberschenkels

Dos: - Erwachsene und Jugendliche ≥ 60 kg: Initialgabe von 600 mg (2x300 mg in unterschiedliche Regionen), dann 300 mg alle 2 Wochen

- Jugendliche < 60 kg: Initialgabe von 400 mg (2x200 mg in unterschiedliche Regionen), dann 200 mg alle 2 Wochen

Ind: moderate bis schwere AD bei Erwachsenen und Jugendlichen (12-17 J.) mit unzureichendem Ansprechen auf topische Therapie oder bestehenden Kontraindikationen gegenüber alternativen Therapien

Wirk: - Erreichen einer mind. 75%-Verbesserung im EASI-Index bei 44-51% der Pat.

Note: Ein adäquates Ansprechen ist definiert als Reduktion des EASI um mind. 50% oder als Reduktion des DLQI um mindestens 4 Punkte gegenüber dem Ausgangswert.

- auch bei CyA-resistenten Pat. nachgewiesene Wirksamkeit

Lit: Br J Dermatol. 2017 Nov 28. http://doi.org/10.1111/bjd.16156

PT: RCT

- Dupilumab vermindert die Besiedlung mit Staphylococcus aureus und erhöht die mikrobielle Vielfalt bei atopischer Dermatitis

Lit: J Invest Dermatol. 2019 Jun 25. pii: S0022-202X(19)31789-0. http://doi.org/10.1016/j.jid.2019.05.024

- Reduktion der Hautinfektionen und Exazerbationen bei atopischer Dermatitis

Lit: Int Immunopharmacol. 2017 Nov 25;54:303-310

PT: MA

- auch bei Eczema molluscatum wirksam

Lit: Br J Dermatol. 2019 Feb 4. http://doi.org/10.1111/bjd.17712

NW: - Hypersensitivitätsreaktionen in < 1% d. F.

- Hautreaktionen an der Injektionsstelle

- Konjunktivitis, Keratitis, Blepharitis

Th: - pflegende Augentropfen

- kortikosteroidhaltige Augentropfen

- Cyclosporin A-haltige Augentropfen

- Herpes simplex-Infektionen

Note: reduziertes Risiko für schwere (nicht-herpetische) Infektionen

Lit: Am J Clin Dermatol. 2019 May 7. doi: 10.1007/s40257-019-00445-7

- Cephalgien

- Induktion einer Psoriasis vulgaris

Lit: in seltenen Fällen

- Induktion einer seronegativen Arthritis

Lit: in seltenen Fällen

- Induktion einer Alopecia areata

Note: Allerdings sind auch Fälle beschrieben, deren Therapie der atopischen Dermatitis mit Dupilumab zur Remission der Alopecia areata führte.

Lit: Dermatol Ther. 2019 Jul 15:e13023. http://doi.org/10.1111/dth.13023

Co: Kombination mit topischen Glukokortikoiden und Calcineurinhemmern (letztere für Problemlokalisationen) möglich

Lab: LDH kann als serologischer Marker das Therapieansprechen vorhersagen (korreliert mit Abnahme des EASI-Scores)

Lab: J Eur Acad Dermatol Venereol. 2019 Apr 8. http://doi.org/10.1111/jdv.15609

Lit: N Engl J Med 2014 Jul 10;371(2):130-139 (USA), J Am Acad Dermatol. 2016 Sep;75(3):506-15 (USA), N Engl J Med. 2016 Dec 15;375(24):2335-2348

- Tofacitinib

Def: Januskinase-Hemmer / JAK-Inhibitor

Eig: Hemmung des Enzyms Januskinase 1+3, d. h. Beeinflussung des JAK-STAT-Signalwegs und damit der DNA-Transkription nach Übermittlung extrazellulärer Signale

Lit: J Am Acad Dermatol. 2015 Sep;73(3):395-9 (USA)

PT: CS (6 Pat.)

Appl: oral

Bed: experimentell

Altn: - Baricitinib

- Upadacitinib

Eig: Hemmung des Enzyms Januskinase 1 (selektiver JAK1-Inhibitor)

- Abrocitinib

Def: selektiver JAK1-Inhibitor

Lit: JAMA Dermatol. 2019 Oct 2. http://doi.org/10.1001/jamadermatol.2019.2855

- Delgocitinib

Syn: JTE-052

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2019 Aug 16. pii: S0091-6749(19)31045-0. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2019.08.004

Appl: topisch

- ASN002

Def: JAK/SYK-Inhibitor, der zahlreiche Zytokinachsen (Th2/Th22/Th17/Th1) und die epidermale Differenzierung beeinflusst

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2019 Jul 26. pii: S0091-6749(19)30961-3. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2019.07.013

- Omalizumab

Syn: Anti-IgE = rhuMAb-E25

Phar: Xolair®

Def: monoklonaler Antikörper gegen IgE (r = rekombinant, h = human, M = monoklonal, Ab = antibody)

Wirk: Bindung an den spezifischen Fc-epsilon-Abschnitt von zirkulierendem IgE, das normalerweise an den hochaffinen IgE-Rezeptor, Fc epsilonRI, auf Mastzellen und Basophilen bindet

Note: - Durch die Fc-Bindung ist die Bindungseigenschaft universell gegen jedes IgE gerichtet.

- Die Allergenbindung durch IgE (über die Fab-Enden) wird also nicht beeinträchtigt.

- Die niedrig affinen IgE-Rezeptoren (Typ RII) auf Langerhanszellen werden ebenfalls blockiert.

Bed: - wirksam bei einer Subgruppe der Pat. mit AD

Lit: - Allergy. 2013 Oct 10. http://doi.org/10.1111/all.12234 (Kiel)

Erg: klinisches Ansprechen korrelierte mit negativem Mutationsnachweis von Filaggrin und Abweichungen im Lipidstoffwechsel mit hohen Serumspiegeln von Phosphatidylcholinen

- J Allergy Clin Immunol. 2016 Dec;138(6):1719-1722.e1

PT: SR / MA

Erg: klinisches Ansprechen eher bei niedrigem Serumspiegel des Gesamt-IgE

- Wirksamkeitsnachweis in RCT für allergische Rhinitis und allergisches Asthma

Altn: Immunadsorption

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2011 Jan;127(1):267-70

Bed: experimentell

Co: Rituximab (Omalizumab-Rituximab-Switch-Therapie)

Lit: J Investig Allergol Clin Immunol. 2013;23(3):190-6 (Spanien)

PT: CS

- Anti-IL-31

Stoff: Nemolizumab

Bed: stark antipruriginös wirksam

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2019 Aug 23. pii: S0091-6749(19)31099-1. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2019.08.013

IL-13-Ak

Stoff: Tralokinumab

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2018 Jun 12. pii: S0091-6749(18)30850-9. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2018.05.029

- Anti-IL-12/23

Stoff: Ustekinumab

Def: rekombinanter, rein humaner monoklonaler Ak mit Bindung an der gemeinsame p40-Untereinheit der Zytokine IL-12 und IL-23, wodurch die Differenzierung und Proliferation von Th1- und Th17-Zellen selektiv blockiert wird

Phar: Stelara®

Lit: - Clin Exp Dermatol. 2016 Aug;41(6):625-7 (UK)

PT: CR (therapierefraktäre AD beim Teenager)

- Br J Dermatol. 2016 Dec 22. http://doi.org/10.1111/bjd.15262 (Irland)

PT: CS (4 Pat.)

- J Am Acad Dermatol. 2017 Jan;76(1):91-97.e3

PT: CS (3 Pat.)

- Br J Dermatol. 2017 Aug;177(2):419-427. http://doi.org/10.1111/bjd.15493 (Japan)

PT: RCT (3 Pat.)

Erg: keine bedeutsame Wirksamkeit

- Mepolizumab

Def: Anti-IL-5-Ak

Lit: Allergy. 2019 Sep 13. http://doi.org/10.1111/all.14050

- Anti-IL-33

Stoff: Etokimab

Pos: lange Wirkdauer bis zu 140 Tagen

Bed: experimentell

- Immunglobuline (IVIG)

Appl: i.v.

Phar: Sandoglobulin®

Neg: hohe Kosten

Bed: experimentell, ggf. in therapierefraktären Ausnahmefällen

Lit: Br J Dermatol 2002; 147: 518-22

PT: RCT

Dos: 1 g/kg i.v. über 8 h an 2 aufeinanderfolgenden Tagen

Erg: kein Nachweis einer signifikanten klinischen Besserung in einer kleinen RCT mit 10 Pat.

- Anxiolytika

Ind: stress-induzierte bzw. -aggravierte Formen

Lit: Clin Exp Dermatol. 2010 Dec;35(8):835-40

PT: RCT

Stoff: Tandospironcitrat

Def: Serotonin (5-HT1A-Rezeptor-)Agonist

Dos: 30 mg/Tag

- Nahrungsergänzungspräparate

- Substitutionstherapie von Biotin und Zink

Ind: insbes. bei schweren erythrodermen Formen in Kindesalter

Appl: oral (bis zum Ausschluss der o.g. DD)

Stoff: - Biotin (Vitamin H)

Dos: 5-20 mg/Tag

Phar: Deacura® 2,5/5 mg Tbl.

- Zink

- Gamma-Linolensäure

Engl: Gamma-linolenic acid

Eig: - Inhaltsstoff von Nachtkerzenöl in einer Dosis von ca. 10%

Engl: Evening primrose oil

- Inhaltsstoff von Borretschöl (Borretsch = Gurkenkraut, Gewürzpflanze) in einer Dosis von > 20%

Engl: Borage oil

Bed: umstritten; der Nachweis eines häufigen Enzymmangels an der Delta-6-Desaturase bildet eine Rationale für die Gabe

EbM: Br J Dermatol 2004; 150: 728-40

PT: MA

Erg: klinische Effekte einer Supplementation mit oralen essentiellen Fettsäuren werden verneint; eine Wirksamkeit bei bestimmten Subgruppen (Kinder, schwere AD) kann noch nicht abschließend beurteilt werden

Phar: Epogam® Kps.

Appl: zu den Mahlzeiten unzerkaut mit viel Flüssigkeit

Dos: - Erwachsene: 2x/Tag 4-6 Kps.

- Kinder: 2x/Tag 2-4 Kps.

Note: Für Epogam® 1000 Kps. wird die halbe Dosis empfohlen nach Aufschneiden und Ausdrücken der Kps.

NW: Provokation epileptischer Anfälle bei Risikopatienten, z. B. Pat. mit Schizophrenie

WW: z. T. paradoxe Reaktionen mit Antiepileptika

Bsp: Phenothiazine

- Omega-3-Fettsäuren

Phar: Innoskin® (Fa. Hans Karrer GmbH)

Inh: 100% gereinigtes Fischöl mit langkettigen Omega-3 Fettsäuren und hohem Anteil an DHA, Lecithin, Biotin

Note: Alpha-Linolensäure als Omega-3-Fettsäure pflanzlicher Herkunft (z. B. in Leinöl, Rapsöl etc.) kann die Zufuhr von langkettigen Omega-3-Fettsäuren tierischer Herkunft (vor allem aus fettreichem Seefisch) nicht ersetzen.

- Eicosapentaensäure (EPA)

Engl: Eicosapentaenoic acid

Dos: angestrebter Tagesbedarf von 1080 mg

Def: EPA ist eine der Omega-3-Fettsäuren (cis-Konfiguration), die reichlich in Fischöl enthalten sind.

Allg: - Essentielle Fettsäuren können nicht endogen synthetisiert werden, sondern müssen der Haut über die Nahrung und Blutzirkulation zugeführt werden.

- Omega-3 ist ein Sammelbegriff für essentielle, langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LCT); hierzu zählen die Alpha-Linolensäure (Ausgangssubstanz), die Gamma-Linolensäure (Zwischensubstanz), die Eicosapentoensäure (Wirkstoff) und die Docosahexaensäure (Wirkstoff)

- Omega-3 bezeichnet die Position der ersten Doppelbindung im Fettsäuremolekül, und zwar von der endständigen Methylgruppe aus gezählt

Wirk: Freie EPA soll sich zu Arachidonsäure kompetitiv verhalten, sodass hiervon weniger durch die Lipoxygenase umgesetzt wird und antiinflammatorische Effekte resultieren.

Lit: - Br J Dermatol 1994; 130: 757-64

PT: RCT

Erg: fehlender Effektivitätsnachweis für die n-3-Fettsäuren

- J Parenter Enteral Nutr 2002; 26: 151-8

PT: RCT

Erg: Effektivität in der Akutbehandlung nach i.v.-Gabe

- J Allergy Clin Immunol. 2016 Jan 11. pii: S0091-6749(15)01731-5. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2015.10.042 (München)

Erg: Kontinuierlicher Konsum von unbehandelter Bauernhof-Milch in der Kindheit schützt vor der Entwicklung von Asthma im Schulkindalter - möglicherweise durch die höhere Aufnahme mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren, die Präkursoren von anti-entzündlichen Mediatoren darstellen.

Bed: nicht allgemein anerkannt

- Docosahexaensäure (DHA)

Engl: docosahexaenoic acid

Def: DHA ist eine der Omega-3-Fettsäuren (cis-Konfiguration), die reichlich in Fischöl (oder Algenöl) enthalten sind. Sie findet sich auch in der Muttermilch, nicht jedoch in Kuhmilch.

Note: Der übermäßige Konsum von Omega-6-Fettsäuren (z. B. in Maiskeimöl oder Sonnenblumenöl) hemmt die Umwandlung von Alpha-Linolensäure über Eicosapentaensäure zur Docosahexaensäure.

Dos: Schwangeren werden mind. 200 mg DHA/Tag zur Nahrungsergänzung empfohlen (insbes. zur Förderung der Augen- und Hirnentwicklung)

Lit: Br J Dermatol 2008; 158: 786-92

PT: RCT

Dos: 5,4 g/Tag DHA (d. h. sehr hoch dosiert)

- Vitamin E

Allg: Vitamin E kann als Antioxidans immunmodulatorisch wirken, die Prostaglandinproduktion und -freisetzung hemmen und den IgE-Serumspiegel senken.

Lit: - Int J Dermatol 2002; 41: 146-50

PT: RCT

Dos: 400 IU/Tag (268 mg) über 8 Monate

- J Dermatolog Treat. 2011 Jun;22(3):144-50

PT: RCT

Co: Vitamin D3

Erg: Überlegenheit einer Kombinationstherapie von 600 IU/Tag Vitamin E (alpha-Tocopherol) plus 1600 IU/Tag Vitamin D3 für 60 Tage im Vergleich zu den Einzelsubstanzen und Plazebo

Bed: nicht allgemein anerkannt

- Vitamin D

Bed: umstritten

Lit: - J Drugs Dermatol. 2012 Mar;11(3):327-30

PT: RCT

Dos: 1600 IU/Tag Cholecalciferol (Vit. D)

- J Am Acad Dermatol. 2013 Feb 14 [Epub ahead of print]

Erg: keine Korrelation des Serumspiegels von 25-Hydroxy-Vitamin D mit der pädiatrischen Population

- Pediatr Dermatol. 2013 Jan 7. [Epub ahead of print]

Erg: negative Korrelation des Serumspiegels von 25-Hydroxy-Vitamin D mit dem SCORAD-Wert bei sensibilisierten atopischen Kindern

- J Am Acad Dermatol. 2013 May 2. pii: S0190-9622(13)00288-0. http://doi.org/10.1016/j.jaad.2013.03.014

Erg: Vitamin-Supplementation war mit klinischer Besserung assoziiert

- Dermatitis. 2013 Nov-Dec;24(6):296-301 (Ägypten)

PT: CS (29 Pat. im Alter zwischen 2 und 12 Jahren)

Erg: erniedrigte Vit. D-Serumspiegel bei Kindern mit AD

- J Allergy Clin Immunol. 2014 Jun;133(6):1767-1770.e6 (Korea)

Erg: niedrige Vitamin D-Spiegel korrelieren mit AD der Kopf-Hals-Region

- J Allergy Clin Immunol. 2014 Oct;134(4):831-835 (Mongolei)

PT: RCT (Kinder mit Exazerbationen im Winter)

- Allergy. 2015 Jul 27. http://doi.org/10.1111/all.12704 (Dänemark)

Erg: keine Assoziation zwischen Vitamin D-Spiegel und Atopie, Asthma, Lungenfunktion oder atopischer Dermatitis bei Erwachsenen

- Probiotika

Phar: - LGG® (Fa. InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH)

Stoff: Lactobacillus rhamnosus (LGG)

Bed: umstritten insbesondere bei der pränatalen Prophylaxe

Dos: 2x/Tag 1 Kps. LGG

Appl: Beginn der Einnahme aus prophylaktischen Gründen bereits in der Schwangerschaft (4-8 Wochen vor der Geburt bis zum Abstillen), Fortführung im Säuglingsalter in gleicher Dosierung

Ind: - präventiv bei Atopie-Familien (s. unter Primärprävention)

- kurativ (auxiliär) bei manifester AD, auch bei Kindern

Lit: Ann Allergy Asthma Immunol 2008; 101: 508-16

PT: MA

Lit: - Allergy 2007; 62: 1270-6

PT: RCT

Erg: keine Besserung der leichten bis mittelschweren atopischen Dermatitis bei Kindern

- Allergy. 2011 Apr;66(4):509-16

PT: RCT

Erg: keine Ekzemprävention bei pränataler Gabe

- Allergy Clin Immunol. 2016 Dec 30. pii: S0091-6749(16)32487-3. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2016.10.050 (Italien)

PT: RCT

Erg: Reduktion der Manifestation weiterer allergischer Symptome bei Kindern mit Kuhmilchallergie

- Immunofortis®

Inh: Mischung aus kurzkettigen Galacto-Oligosacchariden und langkettigen Fructo-Oligosacchariden

Lit: - Allergy 2009; 64: 484-7

PT: RCT

Ind: Säuglingsalter

- Allergy. 2011 Jan;66(1):39-47

PT: RCT

Erg: reduzierte Th2-Antwort und verbesserter PEF bei Erwachsenen mit allergischem Asthma

- Allergy. 2011 Feb;66(2):170-7

PT: RCT

Co: Bifidobacterium breve M-16V

Appl: für 12 Wochen

Erg: Asthma-Prävention bei Kindern (jünger als 7 Monate) mit atopischer Dermatitis

Lit: - Am J Clin Dermatol. 2010;11(5):351-61

PT: RCT

Stoff: Lactobacillus acidophilus DDS-1, Bifidobacterium lactis UABLA-12 und Fructo-Oligosaccharide

Erg: Besserung der atopischen Dermatitis bei Vorschulkindern

- Ann Allergy Asthma Immunol. 2010 Apr;104(4):343-8

PT: RCT

Stoff: Lactobacillus sakei

- J Dermatol. 2011 Feb;38(2):131-9

PT: RCT

Stoff: Lactobacillus paracasei K71

- Ann Dermatol. 2012 May;24(2):189-93

PT: RCT

Stoff: Bifidobacterium bifidum, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei, Lactobacillus salivarius

- Medikamente mit besonderen Indikationen (Komplikationen der AD)

- Antibiotika

Ind: impetiginisierte AD

Etlg: - Makrolide

Stoff: - Erythromycin

- Azithromycin

- Clarithromycin

- penicillinasefeste Penicilline

Ind: makrolidresistenter Staph. aureus

Stoff: - Oxacillin

- Dicloxacillin

- Flucloxacillin

- Ketoconazol

Ind: Pat. mit AD im Kopf-, Hals- und Schulterbereich und häufig assoziierter IgE-Hypersensitivität gegenüber Hefen

Di: - RAST auf Pityrosporum ovale/Malassezia furfur und Candida albicans

- Prick auf Pityrosporum ovale/Malassezia furfur und Candida albicans

Lit: Allergy 2001; 56: 512-7

PT: RCT

CV: Nur topische Applikation von Antimykotika scheint nicht auszureichen.

Lit: Acta Derm Venereol 1995; 75: 46-9

PT: RCT

- Aciclovir u. a. herpeswirksame Substanzen

Ind: HSV- oder VZV-Superinfektion

- spezifische Immuntherapie (SIT)

Ind: ggf. bei Vorliegen von Typ I-Allergien

Bsp: Hausstaubmilbensensibilisierung

AG: Dermatophagoides pteronyssinus (Dpt)

Lit: - J Am Acad Dermatol 1993; 28: 232-9

PT: RCT

Meth: intradermale Injektion von Komplexen aus autologen spezifischen Ak und Dpt-Allergen

- Allergy

PT: RCT

Meth: s.c.-Injektion eines standardisierten Extrakts aus Dpt bei Kindern mit allergischem Asthma und einer Monosensibilisierung gegenüber Dpt

EbM: Mangel an CT

NW: Boosterung der AD möglich

- autologe Bluttherapie/Eigenblutbehandlung

Engl: autologous blood therapy, autohaemotherapy

Meth: Entnahme einer kleinen Menge an Eigenblut, dann intramuskuläre Reinjektion des unbehandelten Blutes

Lit: Br J Dermatol 2003; 148: 307-13

PT: RCT

Appl: 1x/Woche über 5 Wochen

Dos: 1 ml in der 1. Woche, dann 2 ml, 3 ml, 2 ml und erneut 1 ml in der 5. Woche

Erg: Therapeutische Effekte bei Bestimmung des Six-Area-Six-Sign-Index (SASSAD), allerdings ohne Bestätigung durch die Patientenbeurteilung

Bed: umstritten

- autologe Immunglobulin-Injektionen (vorwiegend vom IgG-Typ)

Lit: Dermatology. 2015;231(2):145-51. http://doi.org/10.1159/000431173 (Korea)

Dos: 2x/Woche 50 mg i.m. für 4 Wochen

Bed: experimentell

- Immunadsorption

Bed: therapierefraktäre Fälle

Bed: experimentell

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2011 Jan;127(1):267-70, J Allergy Clin Immunol. 2016 Jun;137(6):1882-1884 (Hamburg)

- Psychotherapie (bzw. psychosoziale/psychosomatische Betreuung)

Lit: - J Consult Clin Psychol 1995; 63: 624-35

PT: RCT

- Int J Dermatol 2001; 40: 632-6

PT: RCT

Meth: - Individual- und Familienpsychotherapie

- Entspannungstraining

- Verhaltenstherapie und Biofeedback-Training

Ind: insbes. zur Kontrolle des Pruritus und des Kratzimpulses

- Therapiegruppen

So: Teilnahme in Selbsthilfegruppen

Prop: Primärprävention:

- Reduktion von Aeroallergenen

LL: DDG

Bsp: Verzicht auf (pelztragende) Haustiere, Verzicht auf Staubfänger (Teppichböden, Federkernmatratzen, Gardinen, Plüschtiere u. a.)

Bed: sinnvolle prophylaktische Maßnahmen für Rhinokonjunktivitis oder Asthma, Präventivwirkung für die AD jedoch nicht unumstritten

Note: Mütterliche Kontakte zu Tieren auf dem Bauernhof (inkl. Katzen) während der SS sollen den Nachwuchs vor atopischer Dermatitis schützen; Katzenhaltung in Wohnungen ist dennoch nicht zu empfehlen. Hunde dagegen sollen einen Schutzfaktor darstellen.

Lit: J Allergy Clin Immunol. 2013 May 24. pii: S0091-6749(13)00600-3. http://doi.org/ 10.1016/j.jaci.2013.04.009 (Italien)

PT: MA

- Stillen über 4(-6) Monate

Note: Ein protektiver Effekt des Stillens über den 4. Monat hinaus ist nicht bewiesen.

Altn: hypoallergene Formeln/Kuhmilchhydrolysate

Ind: Stillen nicht möglich bei gleichzeitig hohem Atopierisiko des Säuglings

Bed: Niedrigere Inzidenzraten von AD bei Kindern mit positiver Familienanamnese für Atopie durch ausschließliche Brustfütterung während der ersten 3 Lebensmonate

Lit: J Am Acad Dermatol 2001; 45: 520-7

PT: MA

- keine Diät der Mutter während der Schwangerschaft und Stillperiode

- Einführung von Breikost und fester Nahrung ab dem 4. Lebensmonat für alle Kinder

- Probiotika (s. oben)

Lit: - Lancet 2001; 357: 1076-9

PT: RCT

- J Allergy Clin Immunol 2002; 109: 119-21

PT: RCT

Appl: in der Schwangerschaft und Stillzeit

- Allergy. 2011 Apr;66(4):509-16

PT: RCT

Erg: kein präventiver Effekt von Lactobacillus rhamnosus (LGG) bei pränataler Gabe

- J Allergy Clin Immunol. 2013 Sep 10. pii: S0091-6749(13)01157-3. http://doi.org/ 10.1016/j.jaci.2013.07.032

PT: Kohortenstudie (>40.000 Kinder)

Erg: Probiotische Milch in der SS führte zu leicht erniedrigtem relativem Risiko für AD der Kinder mit 6 Monaten und für Rhinokonjunktivitis nach 18-36 Monaten.

- J Eur Acad Dermatol Venereol. 2014 Apr 4. http://doi.org/ 10.1111/jdv.12496 (Rumänien), J Allergy Clin Immunol. 2015 Jun 1. pii: S0091-6749(15)00636-3 (Canada), J Dermatolog Treat. 2015 May 5:1-4 (China)

PT: MA

Erg: präventiver Effekt wird bestätigt

- Infektionen im frühen Kindesalter

Hyp: Frühzeitige Unterbringung in Kindertagesstätten soll vor späteren Allergien schützen.

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Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2019/02/02 16:12
 

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