Zirkulierende Tumor-DNA beim Melanom: Biomarker für minimale Resterkrankung, Rezidivrisiko und Therapiemonitoring (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/11/06 05:57

Zirkulierende Tumor-DNA beim Melanom: Biomarker für minimale Resterkrankung, Rezidivrisiko und Therapiemonitoring (NEWSBLOG 2026)

Die Analyse zirkulierender Tumor-DNA (circulating tumor DNA, ctDNA) entwickelt sich zu einem vielversprechenden Instrument für Prognose, Risikostratifizierung und Therapiemonitoring beim malignen Melanom. Konventionelle Verlaufsparameter wie Bildgebung, LDH und S100B besitzen insbesondere bei geringer Tumorlast nur eine begrenzte Sensitivität und Spezifität. ctDNA ist der tumorspezifische Anteil zellfreier DNA im Plasma und ermöglicht als „Liquid Biopsy“ einen minimalinvasiven molekularen Einblick in die Tumorerkrankung. Von besonderem Interesse ist der Nachweis einer minimalen Resterkrankung (minimal residual disease, MRD) nach lokaler oder systemischer Therapie: Persistierende oder erneut nachweisbare ctDNA kann auf verbliebene Tumorzellen beziehungsweise ein molekulares Rezidiv hinweisen, bevor eine Progression klinisch oder bildgebend manifest wird. Darüber hinaus können longitudinale Veränderungen der ctDNA die Tumordynamik unter Therapie abbilden und potenziell früher als konventionelle Verfahren Hinweise auf Ansprechen oder Progression liefern. Die technischen Möglichkeiten reichen inzwischen von hochsensitiven Tests auf einzelne bekannte Mutationen bis zu personalisierten Next-Generation-Sequencing-Verfahren (NGS); neuere multimodale Ansätze beziehen zusätzlich DNA-Methylierungsmuster und die sogenannte Fragmentomik ein. ctDNA kann außerdem die klonale Evolution eines Melanoms und potenziell therapeutisch relevante genomische Veränderungen erfassen. Klinische Studien liefern zunehmend Hinweise darauf, dass sowohl der ctDNA-Nachweis als auch Veränderungen der ctDNA-Konzentration prognostische und möglicherweise prädiktive Informationen im neoadjuvanten, adjuvanten und metastasierten Setting bieten. Besonders attraktiv erscheint die Möglichkeit, Patienten nach kurativer Therapie anhand molekularer Resterkrankung präziser zu stratifizieren und die Intensität von Nachsorge oder systemischer Therapie zukünftig stärker am individuellen Rezidivrisiko auszurichten. Trotz der raschen technologischen Entwicklung ist ctDNA beim Melanom jedoch noch kein universell standardisierter Ersatz für etablierte klinische und bildgebende Verfahren. Unterschiedliche Assays, niedrige ctDNA-Konzentrationen bei geringer Tumorlast sowie Unterschiede der DNA-Freisetzung zwischen Tumorlokalisationen erschweren die Interpretation. Die Übersichtsarbeit beschreibt ctDNA daher als vielversprechenden komplementären Biomarker, dessen klinischer Stellenwert insbesondere durch prospektive Studien mit standardisierten Testverfahren und ctDNA-gesteuerten Therapieentscheidungen weiter definiert werden muss.

Quelle:
Am J Clin Dermatol. 2026 Jul 3. http://doi.org/10.1007/s40257-026-01056-9
Circulating Tumor DNA as a Biomarker for Melanoma Prognosis and Therapy.
Heidrich I, Urhahn S, Gebhardt C, Smit DJ, Pantel K.

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