Die zunehmende Anwendung von Glucagonähnlichen Peptid-1-Rezeptoragonisten, insbesondere Semaglutid und Tirzepatid, hat zu wachsender Aufmerksamkeit hinsichtlich möglicher dermatologischer Nebenwirkungen geführt. Obwohl Haarausfall in den Zulassungsstudien nicht berichtet wurde, weisen pharmakovigilante Analysen, retrospektive Kohortenstudien und Modellierungen zunehmend auf einen möglichen Zusammenhang hin. Höhere Inzidenzen scheinen mit oralen Applikationsformen und höheren Dosierungen assoziiert zu sein, was auf dosis- und applikationsabhängige Effekte hindeutet. Ein rascher Gewichtsverlust gilt als wahrscheinlicher Auslöser insbesondere des Telogeneffluviums, jedoch sprechen Berichte über androgenetische und vernarbende Alopezien für zusätzliche pathogenetische Mechanismen. Diskutiert werden Mikronährstoffdefizite sowie endokrine Veränderungen mit Einfluss auf den Haarzyklus. Auch wenn ein kausaler Zusammenhang bislang nicht gesichert ist, rechtfertigt die Konsistenz der Befunde eine erhöhte klinische Aufmerksamkeit. Behandelnde Ärztinnen und Ärzte sollten gezielt nach Haarveränderungen fragen und bei Bedarf frühzeitig eine dermatologische Abklärung veranlassen. Prospektive Studien sind erforderlich, um Häufigkeit, Risikofaktoren und Pathophysiologie dieses potenziellen Arzneimitteleffekts genauer zu definieren.
Quelle:
Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology http://doi.org/10.1111/jdv.70088
Glucagon-like peptide-1 receptor agonists and hair loss: An emerging clinical concern
Jose María Camino-Salvador, Francisco José Rodríguez-Cuadrado, Elena-Lucía Pinto-Pulido, Miriam Fernández-Parrado