Der Einsatz von Botulinumtoxin Typ A (BoNT-A) gehört zum dermatologischen Alltag – doch wie sieht es in sensiblen Situationen wie Schwangerschaft und Stillzeit aus? Eine aktuelle Umfrage unter US-Dermatologen zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen klinischer Praxis und wissenschaftlicher Evidenz. In der Querschnittsbefragung mit 177 Teilnehmenden berichteten 75 %, dass Botulinumtoxin während der Stillzeit angewendet oder sogar selbst erhalten wurde – ohne dokumentierte Nebenwirkungen bei Säuglingen. Demgegenüber war der Einsatz in der Schwangerschaft deutlich zurückhaltender: 8 % im ersten Trimester, 5 % im zweiten und 7 % im dritten Trimester. Auch hier wurden keine fetalen Komplikationen berichtet. Diese Ergebnisse deuten auf eine zunehmende „Real-World-Akzeptanz“ insbesondere während der Laktation hin. Gleichzeitig bleibt die Datenlage dünn: Es handelt sich um selbstberichtete Erfahrungen ohne kontrollierte Sicherheitsbewertung. Während viele Dermatologen BoNT-A in der Stillzeit offenbar als risikoarm einschätzen, bleibt der Einsatz in der Schwangerschaft weiterhin restriktiv – im Einklang mit der aktuellen Vorsichtsstrategie. Die Studie unterstreicht damit ein zentrales Problem moderner Dermatologie: Die Praxis entwickelt sich häufig schneller als die evidenzbasierte Absicherung. Entsprechend bleibt der Bedarf an prospektiven, kontrollierten Studien hoch.
Quelle:
Dermatol Surg. 2025 Dec 31. http://doi.org/10.1097/DSS.0000000000004997.
Practice Versus Protocol: A Survey of Current Botulinum Toxin Use During Lactation and Pregnancy in Dermatology.
Cucalon J, Taylor D, Tolkachjov SN, Lutwak M, Weiss E.