Typ-2-Inflammation bei Morbus Hailey-Hailey: IL-4 und IL-13 als mögliche therapeutische Zielstrukturen (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/28 08:06

Typ-2-Inflammation bei Morbus Hailey-Hailey: IL-4 und IL-13 als mögliche therapeutische Zielstrukturen (NEWSBLOG 2026)

Morbus Hailey-Hailey ist eine seltene autosomal-dominant vererbte Dermatose, die durch pathogene Varianten im ATP2C1-Gen verursacht wird. Die gestörte intrazelluläre Calciumhomöostase beeinträchtigt die Adhäsion der Keratinozyten und führt zur charakteristischen suprabasalen Akantholyse. Zunehmend gibt es jedoch Hinweise darauf, dass neben diesem genetisch bedingten Strukturdefekt auch entzündliche Mechanismen wesentlich zur Krankheitsaktivität beitragen könnten.

Eine aktuelle Studie untersuchte insbesondere die Bedeutung der Typ-2-Zytokine IL-4 und IL-13. Mittels Immunhistochemie wurde läsionale Haut von sieben Patienten mit Morbus Hailey-Hailey mit Proben von sechs Patienten mit atopischer Dermatitis sowie vier gesunden Kontrollen verglichen. Die Kontrollproben waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und anatomischer Lokalisation angepasst.

In der Epidermis der Hailey-Hailey-Läsionen war die IL-4-Expression gegenüber gesunder Haut signifikant erhöht. Im Mittel wurden 3966 gegenüber 808 positiven Zellen/mm² nachgewiesen. Noch ausgeprägter war der Unterschied für IL-13 in der Dermis mit durchschnittlich 5288 gegenüber 629 Zellen/mm². Interessanterweise bestanden hinsichtlich der untersuchten Zytokine keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Morbus Hailey-Hailey und atopischer Dermatitis.

Die Ergebnisse sprechen dafür, Morbus Hailey-Hailey nicht ausschließlich als Folge einer genetisch determinierten Störung der Keratinozytenadhäsion zu betrachten. Eine verstärkte IL-4-/IL-13-vermittelte Entzündungsreaktion könnte den Barrieredefekt und die klinische Krankheitsaktivität zusätzlich beeinflussen. Dies liefert zugleich eine pathophysiologische Erklärung für publizierte Therapieerfolge mit Dupilumab, das über die Blockade der IL-4-Rezeptor-α-Untereinheit die Signalübertragung sowohl von IL-4 als auch von IL-13 hemmt. Auch JAK-Inhibitoren könnten aufgrund der Beteiligung entsprechender intrazellulärer Signalwege therapeutisch interessant sein.

Die Daten sind aufgrund der sehr kleinen Fallzahl und des retrospektiven immunhistochemischen Studiendesigns allerdings zunächst als mechanistischer Hinweis zu bewerten. Sie belegen weder, dass Typ-2-Inflammation die primäre Ursache des Morbus Hailey-Hailey darstellt, noch unmittelbar die klinische Wirksamkeit einer gezielten Zytokinblockade. Vielmehr unterstützen sie ein Modell, bei dem der ATP2C1-bedingte Strukturdefekt durch sekundäre inflammatorische Prozesse verstärkt werden könnte. Prospektive klinische Studien müssen zeigen, ob sich daraus eine verlässliche zielgerichtete Therapiestrategie ableiten lässt.

Quelle:
J Cutan Pathol. 2026 Jul 6. http://doi.org/10.1111/cup.70156
Elevated IL-4 and IL-13 Expression in Hailey-Hailey Disease: Evidence for Th2-Mediated Pathogenesis and Targeted Treatment.
Gaumond SI, Soto V, Abujamra BA, Rongioletti F, McGrath JA, Jozic I, Romanelli P.

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