Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom in einer Brandnarbe kann Granulationsgewebe vortäuschen (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/15 06:27

Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom in einer Brandnarbe kann Granulationsgewebe vortäuschen (NEWSBLOG 2026)

Das spindelzellige Plattenepithelkarzinom (SCSCC) der Haut ist eine seltene Variante des kutanen Plattenepithelkarzinoms, die histologisch andere spindelzellige Neoplasien imitieren kann. Ein aktueller Fallbericht zeigt eine diagnostisch besonders problematische Variante mit auffallend blander, granulationsgewebeähnlicher Morphologie. Beschrieben wird eine 66-jährige Frau mit einer 3,5 × 2,7 cm großen ulzerierten Raumforderung des Oberarms, die sich innerhalb einer alten Brandnarbe entwickelt hatte. In der initialen Stanzbiopsie zeigte sich eine relativ bland erscheinende, jedoch fokal atypische Spindelzellproliferation mit schlitzförmigen pseudovaskulären Räumen. Das Bild erinnerte zunächst an reaktives Granulationsgewebe. Aufgrund der klinischen Konstellation mit ulzeriertem Tumor innerhalb einer chronischen Narbe wurde die Diagnostik immunhistochemisch erweitert. Die Spindelzellen zeigten eine diffuse Expression von CK5 und p40 sowie eine p53-Überexpression und stützten damit die Diagnose eines SCSCC. Das spätere Exzisionspräparat verdeutlichte die ausgeprägte morphologische Heterogenität des Tumors. Neben konventionellen Anteilen eines Plattenepithelkarzinoms fanden sich unterschiedliche spindelzellige Komponenten: ausgesprochen blandes granulationsgewebeähnliches Tumorgewebe ebenso wie myxoide Areale und Abschnitte mit deutlich erkennbarer zytologischer Atypie. Der Fall illustriert eine relevante dermatopathologische Falle: Insbesondere in kleinen Stanzbiopsien kann ein spindelzelliges Plattenepithelkarzinom aufgrund seiner blanden Morphologie als reaktives Granulationsgewebe fehlinterpretiert werden. Bei einer persistierenden oder ulzerierten Läsion innerhalb einer chronischen Narbe sollte deshalb auch bei scheinbar unspezifischer Spindelzellproliferation an ein Karzinom gedacht und bei entsprechender Konstellation eine immunhistochemische Abklärung mit epithelialen beziehungsweise plattenepithelialen Markern vorgenommen werden.

Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Jun 2. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003333
Granulation Tissue-Like Spindle Cell Squamous Cell Carcinoma of the Skin Arising in a Burn Scar.
Nguyen TT, Otsuki S, Ito H, Fujimoto M, Irie H, Hirata M, Haga H.

Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2026/09/11 14:24
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