Die reaktive granulomatöse Dermatitis (RGD) bezeichnet ein Spektrum entzündlicher Hautreaktionen, zu dem insbesondere die interstitielle granulomatöse Dermatitis (IGD), die palisadenförmige neutrophile und granulomatöse Dermatitis (PNGD) sowie die interstitielle granulomatöse Arzneimittelreaktion (IGDR) gezählt werden. Häufig bestehen Assoziationen mit Autoimmunerkrankungen oder Medikamenten. Eine aktuelle Übersichtsarbeit lenkt die Aufmerksamkeit auf eine weitere wichtige Konstellation: RGD kann auch als paraneoplastisches Phänomen auftreten.
Klinisch manifestiert sich RGD typischerweise mit erythematösen Papeln, Plaques oder Knoten, häufig in symmetrischer Verteilung. Prädilektionsstellen sind unter anderem die Innenseiten von Armen und Oberschenkeln, Flanken, Unterbauch und intertriginöse Areale wie die Axillen. Das klinische Erscheinungsbild ist jedoch variabel und erlaubt für sich allein meist keine sichere Diagnose.
Auch histopathologisch besteht ein Spektrum überlappender Reaktionsmuster. Bei der IGD finden sich charakteristischerweise interstitiell angeordnete Histiozyten und lymphozytäre Infiltrate, teilweise mit mehrkernigen Riesenzellen. Die Diagnose sollte daher nicht allein anhand einzelner histologischer Merkmale gestellt werden, sondern erfordert eine klinisch-pathologische Korrelation und die Einordnung möglicher Grunderkrankungen oder auslösender Medikamente.
Besondere Bedeutung hat die mögliche Assoziation mit malignen Erkrankungen. Paraneoplastische Formen der IGD wurden unter anderem bei myelodysplastischen Syndromen und Leukämien sowie bei soliden Malignomen, beispielsweise der Mamma und der Lunge, beschrieben. In Einzelfällen können die Hautveränderungen einer Diagnose der zugrunde liegenden Neoplasie vorausgehen und damit einen Hinweis auf eine bislang nicht erkannte systemische Erkrankung liefern.
Allerdings ist RGD kein spezifischer Tumormarker. Aufgrund der häufigeren Assoziation mit entzündlich-rheumatologischen Erkrankungen und Medikamenten rechtfertigt die Diagnose nicht automatisch eine umfassende ungezielte Tumorsuche. Bei fehlender plausibler Ursache, zusätzlichen klinischen oder laborchemischen Auffälligkeiten oder therapieresistentem beziehungsweise ungewöhnlichem Verlauf sollte eine zugrunde liegende maligne Erkrankung jedoch differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.
Kortikosteroide können die kutanen Manifestationen symptomatisch bessern. Bei einer tatsächlich paraneoplastischen RGD steht jedoch die Behandlung der zugrunde liegenden Neoplasie im Vordergrund. Für Dermatologen ist die RGD damit nicht nur ein histopathologisches Reaktionsmuster, sondern in ausgewählten klinischen Konstellationen auch ein mögliches kutanes Signal einer systemischen Erkrankung.
Quelle:
Clin Dermatol. 2026 Jul 27. http://doi.org/10.1016/j.clindermatol.2026.07.023
Reactive granulomatous dermatitis as a paraneoplastic phenomenon.
Afvari S, Aifuwa E, Grant-Kels JM.