Umweltexpositionen in der frühen Lebensphase werden als mögliche Einflussfaktoren für die Entstehung einer atopischen Dermatitis (AD) diskutiert. Eine prospektive Untersuchung analysierte deshalb Phthalatmetaboliten im Urin von Neugeborenen innerhalb der ersten 48 Lebensstunden und erfasste, ob bis zum Alter von zwölf Monaten eine ärztlich diagnostizierte und behandelte AD auftrat. Von 61 Kindern entwickelten 11 (18 %) eine AD. Höhere neonatale Urinkonzentrationen von Metaboliten des Weichmachers Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) waren mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die spätere Erkrankung assoziiert (adjustierte OR 2,03; 95%-KI 1,12–3,68). Ergänzende experimentelle Untersuchungen liefern einen möglichen biologischen Erklärungsansatz: Nach Phthalatexposition stieg in Immunzellen und neonatalen Keratinozyten die Expression proinflammatorischer Zytokine wie IL-1β, TNF-α und IL-6. Gleichzeitig wurde in Keratinozyten eine verminderte Expression der für die epidermale Barriere wichtigen Proteine Filaggrin und Loricrin beobachtet; in organotypischen Hautmodellen nahm zudem der transepidermale Wasserverlust zu. Die Ergebnisse stützen damit die Hypothese, dass eine frühe Phthalatexposition über entzündliche Prozesse und eine Beeinträchtigung der Hautbarriere zur Entwicklung einer AD beitragen könnte. Wegen der kleinen Kohorte und des beobachtenden Studiendesigns lässt sich daraus jedoch kein kausaler Zusammenhang ableiten. Größere prospektive Untersuchungen müssen klären, ob neonatale Phthalatmetabolite tatsächlich als Biomarker für ein erhöhtes AD-Risiko geeignet sind.
Quelle:
Ann Allergy Asthma Immunol. 2026 Apr 20. http://doi.org/10.1016/j.anai.2026.04.006
Neonatal urinary phthalate metabolite concentrations are associated with the development of atopic dermatitis.
Jung M, Kyung Y, Kim M, Kim S, Cho I, Hong YR, Jung YJ, Lee J, Im H, Sung SI, Ahn J, Kim K, Jung YH, Jeon HJ, Choi SJ, Oh SY, Leung DYM, Kim BE, Kim J, Ahn K.