Newsblog
Mai 06 2026
METHOTREXAT VS. MYCOPHENOLATMOFETIL BEI JUVENILER LOKALISIERTER SKLERODERMIE (NEWSBLOG 2026)
Für die juvenile lokalisierte Sklerodermie stehen bislang keine zugelassenen Standardtherapien zur Verfügung, wobei Methotrexat häufig als Erstlinientherapie eingesetzt wird. Eine aktuelle Kohortenstudie untersucht nun, ob Mycophenolatmofetil eine vergleichbare Alternative darstellen könnte. In dieser retrospektiven Analyse von 114 pädiatrischen Patienten wurden klinische Verläufe unter Methotrexat, Mycophenolatmofetil oder einer Kombination beider Substanzen verglichen. Die Auswertung zeigte, dass alle Therapieansätze zu einer signifikanten Reduktion der Krankheitsaktivität führten, ohne relevante Unterschiede zwischen den Gruppen. Auch hinsichtlich der Schubrate ergaben sich keine signifikanten Differenzen. Auffällig waren jedoch Unterschiede im Nebenwirkungsprofil: Patienten unter Methotrexat berichteten deutlich häufiger über Fatigue und Übelkeit als jene unter Mycophenolatmofetil. Dies spricht für eine bessere Verträglichkeit der letzteren Substanz. Die Ergebnisse legen nahe, dass Mycophenolatmofetil eine gleichwertige Wirksamkeit bei potenziell besserer Verträglichkeit bietet und somit als alternative Erstlinientherapie in Betracht gezogen werden könnte. Aufgrund des retrospektiven Studiendesigns sind jedoch prospektive, randomisierte Studien erforderlich, um diese Befunde zu bestätigen und die therapeutische Positionierung weiter zu klären.
Quelle:
JAMA Dermatol. 2026 Mar 1;162(3):271-278. http://doi.org/10.1001/jamadermatol.2025.5662.
Methotrexate and Mycophenolate Mofetil and Clinical Response in Juvenile Localized Scleroderma.
de Rosas EC, Wang JC, Zigler CK, Torok KS.
Mai 04 2026
SELBSTBRÄUNER IN DER DERMATOLOGIE (NEWSBLOG 2026)
Selbstbräuner gelten als sichere Alternative zur UV-Exposition, sind jedoch nicht frei von dermatologischen Risiken. Eine aktuelle Übersichtsarbeit analysiert Zusammensetzung, Wirksamkeit und potenzielle Nebenwirkungen gängiger Produkte auf dem Markt. Untersucht wurden 37 der meistverkauften Selbstbräuner-Produkte anhand ihrer Inhaltsstoffe sowie ausgewerteter Nutzerberichte. Der zentrale Wirkstoff war in allen Präparaten Dihydroxyaceton (DHA), das durch Reaktion mit der Hornschicht eine temporäre Bräunung erzeugt. Ergänzend fanden sich seltener Substanzen wie Erythrulose, Melanin oder Tyrosinderivate. Auffällig ist, dass nur ein sehr geringer Anteil der Produkte gleichzeitig einen UV-Schutz enthielt. Neben der gewünschten Bräunungswirkung berichten Anwender in knapp 2 % der Fälle über Hautreaktionen. Dazu zählen irritative und allergische Kontaktdermatitiden sowie Pigmentveränderungen, die in der dermatologischen Diagnostik relevant sein können. Zudem werfen neuere oder weniger etablierte Inhaltsstoffe Fragen hinsichtlich Sicherheit und regulatorischer Bewertung auf. Die Ergebnisse unterstreichen, dass Selbstbräuner zwar eine UV-freie Bräunungsoption darstellen, jedoch nicht als risikofrei einzustufen sind. Für die Praxis bedeutet dies, dass Patienten gezielt über Inhaltsstoffe, mögliche Nebenwirkungen und die korrekte Anwendung aufgeklärt werden sollten. Wichtig bleibt insbesondere der Hinweis, dass Selbstbräuner keinen ausreichenden UV-Schutz bieten und daher konsequenter Sonnenschutz weiterhin erforderlich ist.
Quelle:
J Drugs Dermatol. 2026 Jan 1;25(1):30-35. http://doi.org/10.36849/JDD.9360.
Sunless Tanners in Dermatology: A Review of Ingredients, Efficacy, and Safety Profiles.
Black TA, Hatch J, Laughter MR, Anderson JB.
Apr. 30 2026
TOPISCHE RETINOIDE IN DER SCHWANGERSCHAFT: KEIN ERHÖHTES RISIKO FÜR FEHLBILDUNGEN (NEWSBLOG 2026)
Topische Retinoide werden häufig zur Behandlung milder bis moderater Akne eingesetzt, gelten jedoch aufgrund der bekannten Teratogenität systemischer Retinoide traditionell als kontraindiziert in der Schwangerschaft. Eine große nordische Kohortenstudie liefert nun differenzierte Daten zur tatsächlichen Risikobewertung. Auf Basis von Registerdaten aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Island wurden fast 3,9 Millionen Geburten analysiert. Parallel zeigte sich, dass die Anwendung topischer Retinoide bei Frauen im gebärfähigen Alter in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat – von 8,7 pro 1000 im Jahr 2006 auf 28,5 pro 1000 im Jahr 2024. Entscheidend ist jedoch die Sicherheitsanalyse: Eine Exposition im ersten Trimenon war nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere kongenitale Fehlbildungen assoziiert. Die Rate lag bei 3,3% in der exponierten Gruppe gegenüber 3,0% bei nicht exponierten Kindern (adjustierte Risikoratio 1,1). Auch im Vergleich zu anderen topischen Therapien wie Azelainsäure oder Clindamycin ergab sich kein erhöhtes Risiko. Die Ergebnisse stellen die bisherige strikte Vorsicht gegenüber topischen Retinoiden in der Schwangerschaft teilweise infrage. Dennoch ist Vorsicht geboten: Die Analyse umfasst nur Schwangerschaften mit Lebendgeburten, sodass mögliche Risiken wie Frühaborte oder schwere Fehlbildungen mit Schwangerschaftsabbruch unterschätzt sein könnten. Für die Praxis bedeutet dies, dass unbeabsichtigte Expositionen möglicherweise weniger kritisch sind als bislang angenommen – eine generelle Anwendungsempfehlung in der Schwangerschaft lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Daten unterstützen vielmehr eine differenzierte, risikoadaptierte Beratung betroffener Patientinnen.
Quelle:
Br J Dermatol. 2025 Dec 9:ljaf500. http://doi.org/10.1093/bjd/ljaf500.
Topical retinoid use in women of reproductive age and risk of major congenital malformations in exposed pregnancies - a Nordic cohort study.
Refsum E, Furu K, Cesta CE, Nørgaard M, Wittström F, Zoega H, Ulrichsen SP, Cohen JM.
Apr. 29 2026
NEWS ZUM MERKEL-ZELL-KARZINOM (NEWSBLOG 2026)
Das Merkel-Zell-Karzinom (MCC) ist ein seltener, aber hochaggressiver kutaner Neuroendokrintumor, der klinisch häufig unspezifisch als rosafarbener Knoten imponiert. Die dermatoskopische Differenzierung von anderen benignen und malignen Läsionen stellt daher eine diagnostische Herausforderung dar. Eine große multizentrische Analyse der International Dermoscopy Society liefert nun wichtige Hinweise zu charakteristischen Mustern. Insgesamt wurden 402 Läsionen analysiert, darunter 134 MCC und 268 Kontrolltumoren mit ähnlicher klinischer Morphologie. Die häufigsten dermatoskopischen Merkmale des MCC waren eine rosafarbene (pink) Grundfarbe (92,4%), gefolgt von weißen Strukturen (58%) und irregulären linearen Gefäßen (43,5%). Schuppung wurde in etwa einem Drittel der Fälle beobachtet. In der multivariaten Analyse erwiesen sich insbesondere zwei Merkmale als unabhängige Prädiktoren für ein MCC: eine dominante rosafarbene Färbung sowie das Vorhandensein von Schuppung. Demgegenüber waren Ulzeration sowie braune oder blau-graue Pigmentierungen negativ mit einem MCC assoziiert.
Erfreulicherweise zeigte eine andere Studie, dass schmale Resektionsränder (< 1 cm) bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit lokalisiertem MCC im Kopf-Hals-Bereich eine akzeptable Alternative sein können, ohne das Gesamtüberleben zu beeinträchtigen.
Quellen:
Int J Dermatol. 2025 Dec 12. http://doi.org/10.1111/ijd.70213.
Dermoscopy in Merkel Cell Carcinoma-A Multicenter Retrospective Study of the International Dermoscopy Society.
Korecka K, Badiu IM, Tschandl P, Akay BN, Apalla Z, Hofmann-Wellenhof R, Kittler H, Kremer N, Lanssens S, Longo C, Lubeek SFK, Marghoob A, Mueller C, Mutz-Rabl C, Navarrete-Dechent C, Paoli J, Pham FK, Samimi M, Spadafora M, Thomas L, Togawa Y, Vargas-Mora P, Lallas A.
Int J Dermatol. 2025 Dec 12. http://doi.org/10.1111/ijd.70209.
Narrow Excision Margins Are Not Associated With Worse Survival in Localized Merkel Cell Carcinoma of the Head and Neck: A National Cancer Database Analysis.
Kasheri E, Koumudi V, Gharavi N, Rosenthal A.
Apr. 27 2026
THERAPIEREFRAKTÄRER EXTRAGENITALER LICHEN SCLEROSUS: ERFOLG MIT FRAKTIONIERTEM CO2-LASER UND PRP (NEWSBLOG 2026)
Der extragenitale Lichen sclerosus stellt therapeutisch häufig eine Herausforderung dar, insbesondere bei unzureichendem Ansprechen auf hochpotente topische Steroide oder intraläsionale Therapien. Eine aktuelle Fallbeschreibung zeigt nun einen innovativen Behandlungsansatz mit kombinierter Laser- und PRP-Therapie. Berichtet wird über einen jungen Patienten mit einem seit sieben Jahren progredienten, sklerotischen Plaque am Oberschenkel, der auf Standardtherapien nicht angesprochen hatte. Nach drei Behandlungszyklen mit fraktioniertem CO₂-Laser in Kombination mit plättchenreichem Plasma (PRP) über sechs Monate kam es zu einer nahezu vollständigen klinischen Remission mit Abflachung der Läsion. Auch histologisch zeigten sich deutliche Regenerationsprozesse: eine Reduktion der Kollagen-Hyalinisierung, Wiederherstellung elastischer Fasern sowie vermehrte Fibroblastenaktivität und Neovaskularisation. Im einjährigen Follow-up blieb der Befund stabil ohne Rezidiv. Die Fallstudie liefert damit Hinweise auf ein mögliches synergistisches Wirkprinzip aus kontrollierter dermaler Remodellierung durch Lasertherapie und regenerativen Effekten durch PRP. Trotz der vielversprechenden Ergebnisse bleibt zu betonen, dass es sich um eine Einzelfallbeobachtung handelt und größere Studien zur Validierung dieses Ansatzes erforderlich sind.
Quelle:
Lasers Surg Med. 2025 Dec 27. http://doi.org/10.1002/lsm.70093.
Successful Treatment of Recalcitrant Extragenital Lichen Sclerosus With Fractional CO(2) Laser and Platelet-Rich Plasma: A Case Report With Histologic Evaluation.
Halim PA, Sirait SP, Wibawa LP, Yusharyahya SN, Ling MSS.
Apr. 26 2026
BOTULINUM IN SCHWANGERSCHAFT UND STILLZEIT: PRAXIS WEIT VORAUS VOR EVIDENZLAGE (NEWSBLOG 2026)
Der Einsatz von Botulinumtoxin Typ A (BoNT-A) gehört zum dermatologischen Alltag – doch wie sieht es in sensiblen Situationen wie Schwangerschaft und Stillzeit aus? Eine aktuelle Umfrage unter US-Dermatologen zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen klinischer Praxis und wissenschaftlicher Evidenz. In der Querschnittsbefragung mit 177 Teilnehmenden berichteten 75 %, dass Botulinumtoxin während der Stillzeit angewendet oder sogar selbst erhalten wurde – ohne dokumentierte Nebenwirkungen bei Säuglingen. Demgegenüber war der Einsatz in der Schwangerschaft deutlich zurückhaltender: 8 % im ersten Trimester, 5 % im zweiten und 7 % im dritten Trimester. Auch hier wurden keine fetalen Komplikationen berichtet. Diese Ergebnisse deuten auf eine zunehmende „Real-World-Akzeptanz“ insbesondere während der Laktation hin. Gleichzeitig bleibt die Datenlage dünn: Es handelt sich um selbstberichtete Erfahrungen ohne kontrollierte Sicherheitsbewertung. Während viele Dermatologen BoNT-A in der Stillzeit offenbar als risikoarm einschätzen, bleibt der Einsatz in der Schwangerschaft weiterhin restriktiv – im Einklang mit der aktuellen Vorsichtsstrategie. Die Studie unterstreicht damit ein zentrales Problem moderner Dermatologie: Die Praxis entwickelt sich häufig schneller als die evidenzbasierte Absicherung. Entsprechend bleibt der Bedarf an prospektiven, kontrollierten Studien hoch.
Quelle:
Dermatol Surg. 2025 Dec 31. http://doi.org/10.1097/DSS.0000000000004997.
Practice Versus Protocol: A Survey of Current Botulinum Toxin Use During Lactation and Pregnancy in Dermatology.
Cucalon J, Taylor D, Tolkachjov SN, Lutwak M, Weiss E.
Apr. 24 2026
BOTULINUMTOXIN BEI HYPERHIDROSE: ERWEITERTE ANWENDUNG ÜBER DIE AXILLA HINAUS (NEWSBLOG 2026)
Botulinumtoxin Typ A (BoNTA) ist seit Jahren als effektive Therapie der axillären und palmaren Hyperhidrose etabliert. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt nun, dass sich das Einsatzspektrum zunehmend auf weitere anatomische Regionen ausdehnt – insbesondere auf das Gesicht, die Kopfhaut und andere fokale Areale. In der Analyse von 33 klinischen Studien bestätigte sich die robuste Evidenz für die axilläre Hyperhidrose, wo randomisierte Studien konsistent eine deutliche Reduktion der Schweißproduktion sowie nachhaltige Verbesserungen der Lebensqualität belegen. Auch bei palmarer Hyperhidrose zeigte sich eine zuverlässige Wirksamkeit, wenngleich die Anwendung durch Injektionsschmerz und vorübergehende Muskelschwäche limitiert sein kann. Für kraniofaziale Hyperhidrose basiert die Evidenz überwiegend auf kleineren Kohorten und Fallserien. Dennoch berichten diese Studien über relevante klinische Verbesserungen bei akzeptablem Sicherheitsprofil – trotz heterogener Dosierungs- und Injektionsprotokolle. Insgesamt unterstreicht die Arbeit die zentrale Rolle von BoNTA in der Therapie der fokalen Hyperhidrose und erweitert zugleich das Verständnis für dessen Einsatzmöglichkeiten über klassische Indikationen hinaus. Für weniger etablierte Anwendungsbereiche besteht jedoch weiterhin Bedarf an größeren, standardisierten Studien, um optimale Behandlungsstrategien zu definieren.
Quelle:
Clin Dermatol. 2025 Dec 27. http://doi.org/10.1016/j.clindermatol.2025.12.003.
Beyond the Axilla: The Evolving Role of Botulinum Toxin in the Treatment of Facial, Scalp, and Focal Hyperhidrosis.
Farah J, Hanna E, Aad S, Karam C, Ghanem A.
Apr. 22 2026
BADEGEWOHNHEITEN BEI EKZEM: KEIN UNTERSCHIED ZWISCHEN TÄGLICHEM UND WÖCHENTLICHEM WASCHEN (NEWSBLOG 2026)
Die optimale Waschfrequenz bei atopischer Dermatitis ist seit Jahren Gegenstand klinischer Diskussionen – belastbare randomisierte Daten fehlten bislang weitgehend. Eine aktuelle pragmatische, online-basierte randomisierte Studie liefert nun evidenzbasierte Klarheit. In dieser britischen RCT wurden 438 Patienten mit selbstberichteter atopischer Dermatitis randomisiert, entweder täglich (≥6-mal/Woche) oder lediglich ein- bis zweimal pro Woche zu baden bzw. zu duschen. Über einen Zeitraum von vier Wochen wurden die Symptome mittels Patient-Oriented Eczema Measure (POEM) erfasst. Die Analyse zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen: Die mittlere Differenz im POEM-Score betrug −0,4 und war statistisch nicht signifikant. Beide Gruppen zeigten eine vergleichbare Symptomverbesserung im Verlauf. Die bisher oft dogmatisch geführte Empfehlung zur Waschfrequenz kann aufgrund dieser Studienergebnisse durch eine patientenzentrierte Herangehensweise ersetzt werden. Betroffene können ihre Bade- und Duschgewohnheiten flexibel an individuelle Präferenzen und Lebensumstände anpassen, ohne eine Verschlechterung der Erkrankung befürchten zu müssen.
Quelle:
Br J Dermatol. 2025 Nov 10:ljaf417. http://doi.org/10.1093/bjd/ljaf417.
Weekly versus daily bathing for people with eczema: results of the Eczema Bathing online randomised controlled trial.
Bradshaw L, Howells LM, Muller I, Mitchell EJ, Baker A, Thuma L, Harrison EF, Hartshorne L, Jiang Y, Cowdell F, Leighton P, Montgomery AA, Ravenscroft J, Ridd MJ, Santer M, Tanaka RJ, Hilken N, Swinden R, Dooley R, Layfield C, Campbell EL, Tutt L, Collins S, Rogers NK, Clement K, Davies F, Owen T, Eddis-Finbow M, Patel D, Putrym G, Foulds A, Williams HC, Roberts A, Thomas KS.
Apr. 20 2026
NIACINAMID UND KARDIOVASKULÄRES RISIKO: HINWEISE AUF EINEN PROTEKTIVEN EFFEKT BEI DERMATOLOGISCHEN PATIENTEN (NEWSBLOG 2026)
Nicotinamid (Niacinamid) wird in der Dermatologie häufig zur Chemoprävention nichtmelanozytärer Hauttumoren eingesetzt. Während zuletzt potenzielle kardiovaskuläre Risiken durch Metaboliten diskutiert wurden, liefert eine aktuelle Real-World-Analyse nun Hinweise auf einen möglichen gegenteiligen Effekt. In dieser retrospektiven Kohortenstudie auf Basis der TriNetX-Datenbank wurden Patienten mit multiplen nichtmelanozytären Hautkarzinomen oder bullösem Pemphigoid untersucht, die Niacinamid (≥ 500 mg) einnahmen. Nach Propensity-Score-Matching wurden 3.231 Patienten pro Gruppe analysiert. Dabei zeigte sich, dass die Einnahme von Niacinamid mit einem signifikant reduzierten Risiko für mehrere kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert war, darunter Myokardinfarkt mit ST-Hebung, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Herzstillstand. Diese protektiven Effekte waren auch in Subgruppenanalysen konsistent, unabhängig von einer vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankung. Die Ergebnisse stehen im Kontrast zu früheren Hinweisen auf mögliche kardiovaskuläre Risiken durch Nicotinamid-Metaboliten und sprechen für ein differenzierteres Verständnis der Substanz. Zu berücksichtigen ist jedoch der beobachtende Studiendesign-Charakter, der keine kausalen Schlussfolgerungen erlaubt, sowie eine eingeschränkte Generalisierbarkeit aufgrund der überwiegend weißen Studienpopulation und der begrenzten Nachbeobachtungszeit. Für die klinische Praxis deutet sich an, dass Niacinamid nicht nur dermatologisch wirksam, sondern möglicherweise auch kardiovaskulär sicher oder sogar vorteilhaft sein könnte – ein Aspekt, der insbesondere bei langfristiger Anwendung weiter untersucht werden sollte.
Quelle:
J Am Acad Dermatol. 2025 Oct 31. http://doi.org/10.1016/j.jaad.2025.10.115.
Decreased risk of cardiovascular disease in dermatology patients taking niacinamide: A TriNetX cohort study.
Salem Y, Liaqat M, Gonna N, Zamil D, Abu-Ghosh F, Merie A, Cassimatis D, Orengo I.
Apr. 17 2026
Wahrscheinlichkeit der Detektion eines Melanoms bei klinisch und dermatoskopisch als Granuloma pyogenicum eingeschätzten Läsionen (NEWSBLOG 2026)
Granuloma pyogenicum gilt als gutartige vaskuläre Läsion, kann jedoch klinisch und dermatoskopisch mit malignen Tumoren verwechselt werden, insbesondere mit amelanotischen Melanomen. In einer retrospektiven Analyse von 479 exzidierten Hautläsionen mit präoperativer Diagnose eines Granuloma pyogenicum untersuchten die Autoren die Häufigkeit von Fehldiagnosen sowie deren Risikofaktoren. Histopathologisch bestätigten sich in 9 % der Fälle alternative Diagnosen, darunter ein relevanter Anteil melanozytärer Läsionen. Insgesamt wurden sieben Fälle, entsprechend 1,5 %, als invasive Melanome identifiziert. Patienten mit Fehldiagnosen waren im Durchschnitt signifikant älter als jene mit korrekter Diagnose, und Läsionen an den Extremitäten wiesen ein deutlich höheres Risiko für eine Fehlklassifikation auf als solche am Rumpf. In der multivariaten Analyse erwiesen sich sowohl höheres Alter als auch die Lokalisation an den Extremitäten als unabhängige Risikofaktoren für eine Fehldiagnose, während Rumpfläsionen mit einem geringeren Risiko assoziiert waren. Auch wenn die absolute Rate an übersehenen Melanomen niedrig erscheint, ist sie aufgrund der potenziell schwerwiegenden Konsequenzen einer verzögerten Diagnose klinisch bedeutsam. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen diagnostischen Abklärung und einer niedrigen Schwelle zur histologischen Sicherung bei atypischen oder unklaren vaskulären Läsionen.
Quelle:
J Eur Acad Dermatol Venereol. 2025 Nov 14. http://doi.org/10.1111/jdv.70199.
Likelihood of detecting melanoma in lesions clinically and dermoscopically suspected as pyogenic granuloma.
Scharf C, Brancaccio G, Briatico G, Di Brizzi EV, Argenziano G, Moscarella E.