Newsblog
Okt. 22 2026
Upadacitinib als neuer Therapieansatz bei Scleroedema diabeticorum (NEWSBLOG 2026)
Das Scleroedema diabeticorum ist eine seltene fibrosierende Hauterkrankung bei langjährigem Diabetes mellitus, für die keine standardisierte Therapie existiert. Berichtet wird über einen 57-jährigen Patienten mit seit sieben Jahren zunehmender, derber Induration von Nacken und oberem Rücken sowie eingeschränkter Halsbeweglichkeit. Histologisch zeigten sich verdickte Kollagenbündel mit interstitiellen Muzinablagerungen. Eine optimierte Blutzuckereinstellung über drei Monate führte zu keiner Besserung. Anschließend wurde Upadacitinib off-label mit 15 mg täglich eingesetzt. Nach drei Monaten waren Hautverhärtung, Schmerzen und Pruritus deutlich rückläufig und die Beweglichkeit verbessert. Sonographisch nahm die Hautdicke von 1,04 auf 0,75 cm ab.
Als möglichen Wirkmechanismus diskutieren die Autoren eine Hemmung JAK1-abhängiger profibrotischer Signalwege einschließlich der TGF-β-vermittelten Fibroblastenaktivierung. Es handelt sich nach Angaben der Autoren um den ersten publizierten Fall einer Behandlung des Scleredema diabeticorum mit Upadacitinib. Aufgrund des Einzelfallcharakters lässt sich der Therapieeffekt jedoch nicht sicher von anderen Einflussfaktoren, insbesondere der verbesserten Stoffwechseleinstellung, trennen.
Quelle:
International Journal of Dermatology. 2026;0:1–3. http://doi.org/10.1111/ijd.70536
Upadacitinib as a Therapeutic Option for Scleredema Diabeticorum: A Case Report.
Hsin-Yi Huang, Yonglan Wu, Xianlin Zeng, Man Li.
Okt. 21 2026
Dupilumab als vielversprechende Therapie bei chronisch aktinischer Dermatitis (NEWSBLOG 2026)
Die chronisch aktinische Dermatitis (CAD) kann trotz konsequentem Lichtschutz sowie topischer und systemischer Therapie persistieren. Ein systematischer Review wertete zwölf Publikationen mit insgesamt 45 überwiegend vorbehandelten Patienten aus. Unter Dupilumab 300 mg subkutan alle zwei Wochen besserten sich Hautbefund und Pruritus im Mittel nach 2,8 Monaten. Bei Patienten mit dokumentierter Phototestung stieg die minimale Erythemdosis unter Dupilumab bei 80 % für UVA und bei 67 % für UVB, was auf eine verbesserte UV-Toleranz hinweist. 25 Patienten konnten die Besserung mit Dupilumab und topischer Therapie ohne zusätzliche systemische Immunsuppression aufrechterhalten. Ein Zusammenhang zwischen begleitender atopischer Dermatitis und Therapieansprechen ließ sich nicht erkennen.
Dupilumab wurde insgesamt gut vertragen; bei einem Patienten trat eine erythrodermische Psoriasis auf. Die Ergebnisse sprechen für Dupilumab als interessante Off-Label-Option bei therapierefraktärer CAD. Die Evidenz beruht allerdings überwiegend auf retrospektiven Fallberichten und Fallserien mit heterogener Diagnostik und Verlaufsdokumentation, sodass kontrollierte Studien erforderlich sind.
Quelle:
International Journal of Dermatology. 2026;0:1–3. http://doi.org/10.1111/ijd.70542
Dupilumab for the Treatment of Chronic Actinic Dermatitis: A Systematic Review.
Anagha Srivatsa, Marissa Yaldo, Hunter Cohn, Wasey Rehman, Rafey Rehman, Meena Moossavi, Geoffrey Potts, Darius Mehregan.
Okt. 20 2026
Gorlin-Goltz-Syndrom (NEWSBLOG 2026)
Das Gorlin-Syndrom (Gorlin-Goltz-Syndrom, nevoid basal cell carcinoma syndrome) ist eine seltene hereditäre Tumorprädisposition mit multiplen Basalzellkarzinomen und charakteristischen Entwicklungsanomalien. Eine aktuelle Fallserie mit zehn Patienten beschreibt das klinische Spektrum und die therapeutische Betreuung und unterstreicht die Bedeutung der dermatologischen Untersuchung für die frühzeitige Diagnosestellung.
Zu den wichtigsten klinischen Manifestationen gehören multiple, teilweise bereits in jungen Jahren auftretende Basalzellkarzinome, palmoplantare Pits und odontogene Kieferzysten. Die Diagnose beruht auf definierten klinischen Kriterien und kann molekulargenetisch durch den Nachweis pathogener Varianten insbesondere in PTCH1 oder SUFU bestätigt werden. Beide Gene sind Bestandteil des Sonic-Hedgehog-Signalwegs, dessen konstitutive Aktivierung für die ausgeprägte Tumorprädisposition von zentraler Bedeutung ist.
Die Autoren untersuchten zehn Patienten, welche die klinischen Kriterien eines Gorlin-Syndroms erfüllten und anschließend genetisch untersucht wurden. Neben Häufigkeit und Behandlung der dermatologischen Manifestationen wird ein praxisorientierter Algorithmus für Patienten vorgestellt, bei denen der Verdacht in der dermatologischen oder kieferchirurgischen Sprechstunde entsteht. Entscheidend ist nach Diagnosestellung eine langfristige multidisziplinäre Betreuung, da neben rezidivierenden Basalzellkarzinomen weitere syndromassoziierte Tumoren und Entwicklungsanomalien auftreten können.
Für Dermatologen ist insbesondere die Kombination aus ungewöhnlich frühen oder multiplen Basalzellkarzinomen und palmoplantaren Pits ein wichtiges Warnsignal. Auch die Anamnese rezidivierender odontogener Kieferzysten sollte gezielt erfragt werden. Eine frühe syndromale Einordnung ermöglicht nicht nur eine angepasste dermatologische Tumorüberwachung, sondern auch genetische Beratung und die gezielte Überwachung weiterer Manifestationen. Gleichzeitig sollte unnötige ionisierende Strahlenexposition möglichst vermieden werden, da Patienten mit Gorlin-Syndrom eine erhöhte Strahlenempfindlichkeit hinsichtlich der Induktion von Basalzellkarzinomen aufweisen.
Quelle:
Clin Exp Dermatol. 2026 Jun 21. http://doi.org/10.1093/ced/llag265
Gorlin Syndrome: A Series of 10 Patients. Diagnosis, Follow-up, and Treatment from the Dermatological Consultation.
Pereira-González A, Moreno-Casas G, Ruiz-Iglesias C, Márquez-Rojas JJ, Narváez-Moreno B, Rodríguez-Nevado IM, Chaves-Álvarez AJ, Peral-Rubio F, Torres-Díaz M, Galán-Gómez E.
Okt. 19 2026
Paroxetin bei therapierefraktärem Rosazea-Erythem: randomisierte Studie zeigt Wirksamkeit (NEWSBLOG 2026)
Für das persistierende Erythem und Flush-Symptome bei Rosazea stehen insbesondere bei unzureichendem Ansprechen auf etablierte Therapien nur begrenzte Behandlungsoptionen zur Verfügung. Eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit von Paroxetin bei Patienten mit moderatem bis schwerem therapierefraktärem Rosazea-Erythem.
Die Teilnehmer erhielten über zwölf Wochen entweder Paroxetin 25 mg täglich oder Placebo. Insgesamt schlossen 97 Patienten die Studie ab, davon 49 unter Paroxetin und 48 unter Placebo. Den primären Endpunkt, einen Behandlungserfolg im Clinical Erythema Assessment (CEA; CEA 0 oder 1 beziehungsweise Verbesserung um mindestens zwei Grade), erreichten nach zwölf Wochen 42,9 % unter Paroxetin gegenüber 20,8 % unter Placebo (p = 0,02). Damit war die Ansprechrate unter Paroxetin etwa doppelt so hoch.
Auch mehrere sekundäre Endpunkte fielen zugunsten von Paroxetin aus. Eine Verbesserung des Flushings um mindestens zwei Punkte wurde bei 44,9 % gegenüber 25,0 % erreicht (p = 0,04). Zudem besserten sich das gesamte Flushing sowie insbesondere das Brennen der Haut; letzteres zeigte bei 46,9 % unter Paroxetin gegenüber 18,8 % unter Placebo eine Besserung (p = 0,003). Auch depressive Symptome verbesserten sich statistisch signifikant.
Als häufigste unerwünschte Wirkungen wurden Schwindel, Müdigkeit beziehungsweise Lethargie, Übelkeit, Dyspepsie und Muskelzittern berichtet. Zu berücksichtigen ist, dass ausschließlich eine Dosierung von 25 mg täglich und eine Behandlungsdauer von zwölf Wochen untersucht wurden. Aussagen zu optimaler Dosierung, längerfristiger Wirksamkeit und Sicherheit sind daher nicht möglich.
Die Ergebnisse liefern kontrollierte klinische Evidenz für Paroxetin als mögliche Off-label-Therapie des ausgeprägten therapierefraktären Rosazea-Erythems. Der Effekt auf Erythem, Flush und Brennen ist besonders interessant und könnte auf eine Modulation neurovaskulärer beziehungsweise neurogener Mechanismen der Rosazea hinweisen. Wegen des Nebenwirkungs- und Interaktionsprofils eines SSRI sowie möglicher Absetzsymptome sollte Paroxetin jedoch nicht als unkritische Standardtherapie verstanden werden.
Quelle:
J Am Acad Dermatol. 2026 Jun 3. http://doi.org/10.1016/j.jaad.2026.05.116
JAAD Game Changers: Paroxetine is an effective treatment for refractory erythema of rosacea: primary results from the Prospective Rosacea Refractory Erythema Randomized Clinical Trial.
Lee K.
Okt. 18 2026
Urin und Okklusion als zentrale pathogenetische Faktoren des männlichen genitalen Lichen sclerosus (NEWSBLOG 2026)
Die Pathogenese des männlichen genitalen Lichen sclerosus (MGLSc) ist weiterhin nicht vollständig geklärt. Während der Lichen sclerosus häufig als Autoimmunerkrankung eingeordnet wird, stellt eine aktuelle narrative Übersichtsarbeit dieses Konzept für die männliche genitale Form infrage und diskutiert die Urin-/Okklusionshypothese als möglicherweise dominierenden pathogenetischen Mechanismus.
Für eine primär autoimmune Genese spricht unter anderem das histologische Infiltrat mit zytotoxischen CD8+- und CD57+-T-Lymphozyten. Andererseits sind autoimmune Begleiterkrankungen bei Männern mit genitalem Lichen sclerosus deutlich seltener als bei Frauen mit vulvärem Lichen sclerosus und lagen in einzelnen Untersuchungen nicht über der Prävalenz der Allgemeinbevölkerung. Auch die beim Lichen sclerosus diskutierten Autoantikörper gegen Extracellular Matrix Protein 1 (ECM1) zeigen bei Männern keine überzeugend erhöhte Seroreaktivität.
Mehrere klinische und anatomische Beobachtungen stützen dagegen die Urin-/Okklusionshypothese. Der männliche genitale Lichen sclerosus tritt nahezu ausschließlich bei vorhandener Vorhaut auf. Postmiktionelles Nachträufeln beziehungsweise eine Mikrokontamination mit Urin ist häufig, und die Veränderungen konzentrieren sich bevorzugt auf besonders stark okkludierte Bereiche unter dem Präputium. Zusätzlich wurden sowohl Rückbildungen nach Ausschaltung des Urinkontakts als auch lichen-sclerosus-artige Veränderungen an Urostomien beschrieben. Mikrobiomanalysen zeigen bei Betroffenen zudem eine Annäherung der balanopräputialen an die urinäre mikrobielle Zusammensetzung. Experimentelle Befunde zu durch Harnstoff induzierten Veränderungen von Fibroblasten liefern einen möglichen biologischen Zusammenhang mit der charakteristischen Fibrosierung.
Die Autoren interpretieren die vorhandenen Daten dahingehend, dass chronischer Urinkontakt in Kombination mit Okklusion bei einem großen Teil der männlichen Patienten den entscheidenden initialen Gewebeschaden verursachen könnte. Immunologische Reaktionen wären nach diesem Modell zumindest teilweise sekundäre Folgen der epithelialen Schädigung und nicht deren primäre Ursache. Neuere Transkriptomanalysen sprechen allerdings für eine molekulare Heterogenität des MGLSc, sodass bei einer Untergruppe auch primär autoimmune Mechanismen relevant sein könnten.
Damit spricht die zusammengefasste Evidenz für ein differenzierteres pathogenetisches Modell des männlichen genitalen Lichen sclerosus. Die Urin-/Okklusionshypothese erscheint biologisch und klinisch plausibel, ist jedoch bislang nicht abschließend bewiesen. Insbesondere darf aus einer narrativen Übersichtsarbeit keine gesicherte Kausalität abgeleitet werden.
Quelle:
Clin Exp Dermatol. 2026 Jun 5. http://doi.org/10.1093/ced/llag237
Pathogenesis of Male Genital Lichen Sclerosus: Autoimmunity versus the Urine/Occlusion Hypothesis - A Narrative Review.
Tanasov A, Tiplica GS.
Okt. 17 2026
Fixes Arzneimittelexanthem am männlichen Genitale: häufig isoliert und oft mit sexuell übertragbaren Infektionen verwechselt (NEWSBLOG 2026)
Das fixe Arzneimittelexanthem (Fixed Drug Eruption, FDE) ist durch umschriebene Haut- oder Schleimhautläsionen charakterisiert, die nach erneuter Einnahme des auslösenden Arzneimittels typischerweise an derselben Stelle rezidivieren. Das männliche Genitale gehört zu den häufigeren Schleimhautlokalisationen, dennoch kann die Manifestation diagnostisch insbesondere mit sexuell übertragbaren Infektionen verwechselt werden. Eine systematische Übersichtsarbeit fasste erstmals die publizierten Daten zum genitalen FDE bei Männern umfassend zusammen.
Aus 70 Publikationen wurden 262 erwachsene Patienten ausgewertet. Das gewichtete mediane Alter betrug 35,5 Jahre. Mit 72,9 % war die Glans penis die mit Abstand häufigste Lokalisation, gefolgt von Penisschaft (17,6 %), Präputium (12,2 %) und Skrotum (4,2 %). Klinisch dominierte ein Erythem (85,9 %); Erosionen wurden bei 36,3 %, Blasen bei 26,7 % und eine postinflammatorische Pigmentierung bei 26,2 % beschrieben. Besonders relevant für die Differenzialdiagnostik: Bei 79 % der Patienten war ausschließlich das Genitale betroffen. Bei zusätzlicher extragenitaler Manifestation war die Mundschleimhaut am häufigsten beteiligt.
Bei 93,1 % ließ sich ein auslösendes Arzneimittel identifizieren. An erster Stelle stand Trimethoprim/Sulfamethoxazol mit 27,9 %, gefolgt von Tetrazyklinen mit 20,9 % und nichtsteroidalen Antirheumatika mit 12,3 %. Die gewichtete mediane Latenz bis zum Auftreten der Läsionen betrug 48 Stunden. In 56,1 % der Fälle beruhte die Diagnose ausschließlich auf der klinischen Anamnese; wenn eine weiterführende allergologische Abklärung erfolgte, wurde am häufigsten eine orale Provokation eingesetzt.
Für die Praxis ist insbesondere die Kombination aus umschriebener genitaler Läsion, zeitlichem Zusammenhang mit einer Arzneimitteleinnahme und Rezidiv an identischer Lokalisation wegweisend. Die systematische Medikamentenanamnese kann unnötige infektiologische Diagnostik vermeiden und ist entscheidend, um durch konsequente Meidung des Auslösers weitere Rezidive zu verhindern.
Quelle:
Clin Exp Dermatol. 2026 Jun 26. http://doi.org/10.1093/ced/llag275
Male genital fixed drug eruption: a systematic review.
Salle R, Marcellier G, Duong TA, Dauendorffer JN.
Okt. 16 2026
Repigmentierung weißer Haare als ungewöhnliches Zeichen eines Melanoms (NEWSBLOG 2026)
Eine umschriebene Repigmentierung zuvor ergrauter oder weißer Haare kann in seltenen Fällen auf eine darunterliegende melanozytäre Neoplasie hinweisen. Ein aktueller Fallbericht beschreibt diese ungewöhnliche klinische Manifestation bei einem Lentigo-maligna-Melanom der Kopfhaut. Ein 78-jähriger Mann stellte sich mit einem umschriebenen Areal brauner Haare am Vertex innerhalb seiner ansonsten weißen Kopfbehaarung vor. Bemerkenswert war die Anamnese: Der betreffende Bereich der Kopfhaut war im Kindesalter wegen einer Tinea capitis radiotherapeutisch behandelt worden – ein früher gebräuchliches Verfahren, das mit einer erheblichen Strahlenexposition der Kopfhaut verbunden war. Die initiale histopathologische Untersuchung ergab eine Lentigo maligna, woraufhin die Läsion operativ entfernt und der Defekt mittels Spalthauttransplantation gedeckt wurde. Bei der histologischen Aufarbeitung des gesamten Exzidats wurde zusätzlich eine invasive Melanomkomponente nachgewiesen. Die Beobachtung unterstreicht ein seltenes, aber diagnostisch relevantes klinisches Zeichen. Melanomzellen beziehungsweise atypische Melanozyten können follikuläre Strukturen einbeziehen und mit einer erneuten Pigmentierung zuvor weißer Haare einhergehen. Eine neu auftretende, umschriebene Repigmentierung grauer oder weißer Haare sollte deshalb insbesondere bei älteren Patienten und an chronisch lichtgeschädigter Kopfhaut Anlass zu einer sorgfältigen Untersuchung der zugrunde liegenden Haut geben. Zusätzlich weist der Fall auf die historische Bestrahlung der Kopfhaut als möglichen onkologischen Risikofaktor hin. Aufgrund des Einzelfallcharakters lässt sich allerdings kein kausaler Zusammenhang zwischen der früheren Radiotherapie und dem späteren Melanom ableiten.
Quelle:
Australas J Dermatol. 2026 Jun 2. http://doi.org/10.1111/ajd.70146
A Case of Lentigo Maligna Presenting as Repigmentation of Hair in a Scalp That Previously Underwent Radiotherapy for Tinea Capitis.
Kelly ML, Low K, Miller RM.
Okt. 15 2026
Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom in einer Brandnarbe kann Granulationsgewebe vortäuschen (NEWSBLOG 2026)
Das spindelzellige Plattenepithelkarzinom (SCSCC) der Haut ist eine seltene Variante des kutanen Plattenepithelkarzinoms, die histologisch andere spindelzellige Neoplasien imitieren kann. Ein aktueller Fallbericht zeigt eine diagnostisch besonders problematische Variante mit auffallend blander, granulationsgewebeähnlicher Morphologie. Beschrieben wird eine 66-jährige Frau mit einer 3,5 × 2,7 cm großen ulzerierten Raumforderung des Oberarms, die sich innerhalb einer alten Brandnarbe entwickelt hatte. In der initialen Stanzbiopsie zeigte sich eine relativ bland erscheinende, jedoch fokal atypische Spindelzellproliferation mit schlitzförmigen pseudovaskulären Räumen. Das Bild erinnerte zunächst an reaktives Granulationsgewebe. Aufgrund der klinischen Konstellation mit ulzeriertem Tumor innerhalb einer chronischen Narbe wurde die Diagnostik immunhistochemisch erweitert. Die Spindelzellen zeigten eine diffuse Expression von CK5 und p40 sowie eine p53-Überexpression und stützten damit die Diagnose eines SCSCC. Das spätere Exzisionspräparat verdeutlichte die ausgeprägte morphologische Heterogenität des Tumors. Neben konventionellen Anteilen eines Plattenepithelkarzinoms fanden sich unterschiedliche spindelzellige Komponenten: ausgesprochen blandes granulationsgewebeähnliches Tumorgewebe ebenso wie myxoide Areale und Abschnitte mit deutlich erkennbarer zytologischer Atypie. Der Fall illustriert eine relevante dermatopathologische Falle: Insbesondere in kleinen Stanzbiopsien kann ein spindelzelliges Plattenepithelkarzinom aufgrund seiner blanden Morphologie als reaktives Granulationsgewebe fehlinterpretiert werden. Bei einer persistierenden oder ulzerierten Läsion innerhalb einer chronischen Narbe sollte deshalb auch bei scheinbar unspezifischer Spindelzellproliferation an ein Karzinom gedacht und bei entsprechender Konstellation eine immunhistochemische Abklärung mit epithelialen beziehungsweise plattenepithelialen Markern vorgenommen werden.
Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Jun 2. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003333
Granulation Tissue-Like Spindle Cell Squamous Cell Carcinoma of the Skin Arising in a Burn Scar.
Nguyen TT, Otsuki S, Ito H, Fujimoto M, Irie H, Hirata M, Haga H.
Okt. 14 2026
Desmoplastisches Trichilemmom: CD34 und BerEP4 erleichtern die Abgrenzung vom Basalzellkarzinom (NEWSBLOG 2026)
Das desmoplastische Trichilemmom (DTM) ist eine seltene benigne Variante des Trichilemmoms, die histopathologisch erhebliche diagnostische Schwierigkeiten bereiten kann. Insbesondere das Basalzellkarzinom (BCC) stellt aufgrund überlappender morphologischer Merkmale eine wichtige Differenzialdiagnose dar. Eine aktuelle Arbeit kombiniert zwei neue Fälle mit einer systematischen Literaturübersicht und analysiert die diagnostische Bedeutung von CD34 und BerEP4. Insgesamt konnten einschließlich der beiden neuen Fälle 94 DTM ausgewertet werden. Klinisch handelt es sich typischerweise um solitäre Läsionen älterer Patienten mit Prädilektion für Kopf und Hals. Seltene Lokalisationen wurden unter anderem an Thorax, Vulva und unteren Extremitäten beschrieben. Histologisch können das lobuläre beziehungsweise strangförmige Wachstum, die periphere Palisadenstellung und insbesondere das desmoplastische Stroma ein BCC vortäuschen. In den beiden neu beschriebenen Fällen waren die Tumorzellen CD34-positiv und BerEP4-negativ. In der zusammengeführten Literatur fanden sich acht DTM mit der Kombination CD34-positiv/BerEP4-negativ sowie weitere zehn CD34-positive Fälle. Die Autoren schlagen deshalb die kombinierte Beurteilung beider Marker als diagnostische Hilfestellung vor: CD34-Expression bei fehlender BerEP4-Expression unterstützt bei entsprechender Morphologie die Diagnose eines DTM gegenüber einem BCC. Die Immunhistochemie ist dabei nicht isoliert zu interpretieren, sondern im Kontext der charakteristischen Histomorphologie. Die korrekte Abgrenzung ist klinisch relevant, da das DTM eine benigne Neoplasie darstellt und eine Fehldiagnose als BCC zu unnötig aggressiver Therapie führen kann. Die vergleichsweise geringe Zahl immunhistochemisch vollständig charakterisierter Fälle begrenzt allerdings die Evidenz für die vorgeschlagene Marker-Kombination.
Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 May 20. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003322
Desmoplastic Trichilemmoma Mimicking Basal Cell Carcinoma: Two New Cases, Systematic Review of 92 Cases and Dual Staining Diagnostic Approach.
Abdelhammed MH, Yu H, Ramani NS.
Okt. 13 2026
Valaciclovir bei Hand-Fuß-Mund-Krankheit: rasche Abheilung in einem Fallbericht (NEWSBLOG 2026)
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMD) ist eine vor allem durch Enteroviren verursachte Infektionskrankheit, die überwiegend Kinder unter fünf Jahren betrifft, jedoch auch bei Erwachsenen auftreten kann. Die Erkrankung verläuft meist selbstlimitierend, eine etablierte spezifische antivirale Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt daher in der Regel symptomatisch. Ein aktueller Fallbericht beschreibt eine ansonsten gesunde 39-jährige Frau mit HFMD, die off-label mit Valaciclovir behandelt wurde. Bereits innerhalb von zehn Stunden nach Therapiebeginn kam es zu einer ausgeprägten symptomatischen Besserung; innerhalb von 48 Stunden bildeten sich die Beschwerden vollständig zurück. Frühere Einzelfallberichte hatten bereits einen möglichen therapeutischen Effekt von Aciclovir bei HFMD beschrieben. Die Beobachtung ist pharmakologisch bemerkenswert, sollte jedoch sehr zurückhaltend interpretiert werden. Die typischen HFMD-Erreger gehören zu den Enteroviren und damit zu den RNA-Viren, während Aciclovir und Valaciclovir ihre etablierte antivirale Wirkung insbesondere gegenüber Herpesviren durch Hemmung der viralen DNA-Polymerase entfalten. Zudem lässt sich bei einer spontan abheilenden Erkrankung anhand eines einzelnen Patienten nicht feststellen, ob die schnelle Besserung tatsächlich durch Valaciclovir verursacht wurde. Der Bericht liefert daher ein interessantes klinisches Signal, aber keinen Wirksamkeitsnachweis und derzeit keine Grundlage für eine routinemäßige Valaciclovir-Therapie der HFMD. Kontrollierte Untersuchungen wären erforderlich, um einen möglichen Effekt und dessen Mechanismus zu klären.
Quelle:
J Drugs Dermatol. 2026;25(6):562-564. http://doi.org/10.36849/JDD.9394
Resolution of Hand, Foot, and Mouth Disease With Valacyclovir.
Nusrat F, Neubauer Z, Yang S.