Lichtreflexionsrheographie (LRR)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2019/02/02 19:00

Lichtreflexionsrheographie (LRR)

Syn: Photoplethysmographie

Def: Die LRR ist eine indirekte Methode zur Beurteilung der Rücktransportkapazität des venösen Systems und eignet sich damit als Screening-Methode zur orientierenden Funktionsbeurteilung der Venenklappen. Durch den Tourniquet-Test kann orientierend zwischen einer venösen Funktionseinschränkung im oberflächlichen und tiefen Venensystem differenziert werden.

Mat: Die Messung erfolgt über einen Messkopf, der 10 cm oberhalb des Innenknöchels fixiert wird. Er besitzt drei Strahlungsquellen, die Infrarotstrahlen aussenden, und einen Strahlungsempfänger.

Meth: Untersuchungsvorgang: Zunächst wird beim sitzenden Pat. durch 10 Dorsalextensionen im Sprunggelenk die Muskelpumpe betätigt; der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel soll ca. 110° betragen. Hierdurch nimmt der Füllungsgrad der subpapillären Venen messbar ab. Während der anschließenden ruhigen Sitzhaltung erfolgt die Wiederauffüllung der Venen.

Przp: Der Anstieg der Blutfülle während der Wiederauffüllzeit spiegelt sich in der Kurve durch einen Anstieg der Lichtreflexion wider.

Erg: Anhand der aufgezeichneten Kurve lassen sich zwei Parameter bestimmen:

- venöse Füllungsdifferenz

- venöse Wiederauffüllzeit (t0):

Def: t0 ist die Strecke vom höchsten Punkt der Kurve nach Bewegung bis zum Wiedererreichen eines stabilen Reflexionswertes über mind. 5 sec.

Erg: Bei venengesunden Personen beträgt die Wiederauffüllzeit mehr als 25 sec. Eine Verkürzung von t0 tritt bei Refluxen im epi- oder intrafaszialen Venensystem oder Perforans-Venensystem auf.

Etlg: - t0 > 25 sec entspricht einem Normalbefund

- t0 = 20-25 sec entspricht einer venösen Funktionsstörung I. Grades

- t0 = 10-19 sec entspricht einer enösen Funktionsstörung II. Grades

- t0 < 10 sec entspricht einer venösen Funktionsstörung III. Grades

Folg: Therapeutische Konsequenzen:

- Ist die Wiederauffüllzeit t0 verkürzt, sollte mit einer weiteren Messung überprüft werden, ob therapeutische Maßnahmen eine Besserung der venösen Stauung versprechen. Dazu wird dem Pat. ein Stauchschlauch/Tourniquet um die Wade angelegt und anschließend erneut die Wiederauffüllzeit bestimmt.

- Tritt hierbei eine Verlängerung von t0 um mind. 5 sec auf, liegt eine therapeutisch besserbare Varikosis der oberflächlichen Venen vor, und eine Therapie ist erfolgversprechend (s. Varizen der Beine)

- Tritt unter Tourniquet keine Verlängerung der Wiederauffüllzeit auf, liegt entweder eine Insuffizienz im tiefen Venensystem vor oder eine Perforansinsuffizienz distal des Tourniquet. Im letzteren Fall wird eine nicht besserbare venöse Insuffizienz vorgetäuscht.

CV: Befunde sind nicht zu verwerten bei:

- Kindern und Jugendlichen im Standardverfahren

- zu hoher oder zu niedriger Hauttemperatur (Beachtung einer konstanten Raumtemperatur zwischen 20-24 °C)

- Lokalisation der Messsonde direkt über einer größeren epifaszialen Vene

- arthrogenem Stauungssyndrom mit Bewegungseinschränkung im Sprunggelenk

- Dermatitis/Entzündung im Unterschenkelbereich mit Vasodilatation des Hautplexus

- Salbenresten im Untersuchungsbereich

- Muskellähmungen

- Rigor bei Morbus Parkinson

- zu fest oder zu locker angelegtem Tourniquet

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Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2019/02/02 19:00
  

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