Alpha-Gal-Syndrom

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/02/09 23:00

Alpha-Gal-Syndrom

Syn: Alpha-Gal-Allergie, verzögerte Fleischallergie, Galactose-α-1,3-galactose-Syndrom

Engl: Alpha-gal syndrome, red meat allergy

Def: Erworbene IgE-vermittelte Allergie gegen das Oligosaccharid Galactose-α-1,3-Galactose mit zeitverzögerten systemischen allergischen Reaktionen nach oraler oder parenteraler Exposition gegenüber alpha-gal-haltigen Nahrungsmitteln oder Arzneimitteln

Histr: Erstbeschreibung 2009 im Kontext schwerer verzögerter Anaphylaxien nach Cetuximab-Gabe, kurz darauf epidemiologische Verknüpfung mit vorausgegangenen Zeckenstichen

Vork: Zunehmende Prävalenz, regionale Cluster in zeckenendämischen Gebieten Nordamerikas, Europas und Australiens, Manifestation in jedem Lebensalter möglich

Gen: Keine genetische Erkrankung, genetische Faktoren der Immunantwort vermutlich modulierend

Risk: Wiederholte Zeckenstiche, Aufenthalt in Endemiegebieten, Outdoor-Aktivitäten, hohe Gesamt-IgE-Spiegel

Ät: Sensibilisierung gegen Alpha-Gal durch Exposition gegenüber Zeckenspeichel mit Übertragung alpha-gal-haltiger Moleküle

Pg: Induktion spezifischer IgE-Antikörper gegen Alpha-Gal, verzögerte intestinale Resorption lipidgebundener Allergene, systemische Mastzell- und Basophilenaktivierung

TF: Rind-, Schweine-, Lamm- und Wildfleisch, Innereien, Gelatine, Kollagen, Milchprodukte in Einzelfällen, Cetuximab, Antivenine, Gelatinekapseln, Impfstoffe mit tierischen Stabilisatoren

Etlg: Nahrungsmittelassoziierte Form, medikamentenassoziierte Form, kombinierte Form

KL: Urtikaria, Angioödem, Flush, Pruritus, abdominale Schmerzen, Diarrhö, Übelkeit, Hypotonie bis zur verzögerten Anaphylaxie typischerweise 3-6 Stunden nach Exposition

Lok: Systemisch, Haut, Schleimhäute, Gastrointestinaltrakt, respiratorisches und kardiovaskuläres System

Di: Charakteristische zeitverzögerte Symptomatik, Nachweis spezifischer IgE-Antikörper gegen Alpha-Gal, Eliminationsdiät und kontrollierte Provokation in ausgewählten Fällen

Lab: Spezifisches IgE gegen Galactose-α-1,3-galactose erhöht, Gesamt-IgE häufig erhöht, Tryptase in Akutphase erhöht möglich

Hi: Keine spezifischen histologischen Veränderungen, bei kutanen Läsionen unspezifisches dermales Ödem und perivaskuläre Infiltrate

Ass: Assoziation mit anderen atopischen Erkrankungen, selten Mastzellaktivierungssyndrom-ähnliche Konstellationen

DD: Klassische Nahrungsmittelallergien, idiopathische Anaphylaxie, Mastzellaktivierungssyndrom, Histaminintoleranz

Prog: Variabel, bei konsequenter Allergenvermeidung meist gute Kontrolle, IgE-Spiegel können bei Zeckenstichvermeidung langsam abnehmen

Prop: Konsequente Zeckenstichprophylaxe, Aufklärung über versteckte Alpha-Gal-Quellen

Th: Strikte Meidung alpha-gal-haltiger Produkte, individuelle Diätberatung, Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminika, systemische Glukokortikoide bei schweren Reaktionen

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