Therapieassoziierter Phänotypwechsel zwischen Psoriasis und atopischer Dermatitis als Ausdruck immunologischer Plastizität (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/09/29 05:52

Therapieassoziierter Phänotypwechsel zwischen Psoriasis und atopischer Dermatitis als Ausdruck immunologischer Plastizität (NEWSBLOG 2026)

Psoriasis und atopische Dermatitis (AD) gelten immunologisch als überwiegend Typ-17- beziehungsweise Typ-2-dominierte Erkrankungen. Unter zielgerichteten Therapien wird jedoch zunehmend ein sogenanntes „Flip-Flop“-Phänomen beobachtet, bei dem Patienten mit behandelter Psoriasis persistierende ekzematöse Veränderungen oder Patienten mit AD einen psoriasiformen Phänotyp entwickeln. Eine multizentrische retrospektive Real-World-Studie aus 17 dermatologischen Zentren in sechs Ländern analysierte 148 Patienten mit einem solchen therapieassoziierten Phänotypwechsel, der eine Anpassung der Behandlung erforderlich machte. Bei 101 Patienten (68,2 %) entwickelte sich unter Psoriasistherapie ein ekzematöser Phänotyp, überwiegend unter IL-17- und IL-23-Inhibitoren. Umgekehrt traten bei 47 Patienten (31,8 %) unter Behandlung einer AD psoriasiforme Veränderungen auf; diese Fälle wurden ausschließlich unter gegen die Typ-2-Inflammation gerichteten Biologika beobachtet, insbesondere unter Dupilumab. In beiden Gruppen wurde die Therapie angepasst, wobei JAK-Inhibitoren die am häufigsten eingesetzte Strategie darstellten und insbesondere beim Wechsel von Psoriasis zu einem ekzematösen Phänotyp verwendet wurden. Nach der therapeutischen Umstellung wurde über beide Phänotypen hinweg eine deutliche klinische Besserung beobachtet. Die Autoren interpretieren das bidirektionale Phänomen weniger als Induktion einer vollständig neuen Erkrankung denn als Ausdruck einer immunologischen Plastizität, bei der die selektive Blockade eines dominierenden Entzündungswegs das Gleichgewicht zugunsten eines alternativen Immunphänotyps verschieben kann. Klinisch ist diese Unterscheidung relevant, da neu auftretende ekzematöse oder psoriasiforme Läsionen unter Biologikatherapie nicht zwangsläufig ein unabhängiges Zweitleiden darstellen. Die retrospektive Patientenselektion und das Fehlen standardisierter diagnostischer Kriterien beziehungsweise einer Kontrollgruppe begrenzen jedoch Aussagen zu Inzidenz, Kausalität und zur relativen Wirksamkeit einzelner Therapiestrategien; insbesondere lässt sich aus der häufigen erfolgreichen Anwendung von JAK-Inhibitoren noch keine bevorzugte Standardtherapie ableiten.

Quelle:
J Eur Acad Dermatol Venereol. 2026 May 14. http://doi.org/10.1111/jdv.70503
Treatment-associated phenotype switching between psoriasis and atopic dermatitis.
Torres T, Valenti M, Balato A, Megna M, Gisondi P, Prajapati V, Piaserico S, Maul JT, Maul LV, Carrascosa JM, Navarro-Triviño FJ, Lazaridou E, Ferreira C, Tartaglia J, Ciolfi C, Daponte AI, Brizzi EVD, Napolitano M, Guerra BL, Munera-Campos M, Sood S, Ferruci S, Prignano F, Dauden E, Llamas-Velasco M, Vender R, Yeung J, Marzano A, Puig L.

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