Repigmentierung weißer Haare als ungewöhnliches Zeichen eines Melanoms (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/16 06:25

Repigmentierung weißer Haare als ungewöhnliches Zeichen eines Melanoms (NEWSBLOG 2026)

Eine umschriebene Repigmentierung zuvor ergrauter oder weißer Haare kann in seltenen Fällen auf eine darunterliegende melanozytäre Neoplasie hinweisen. Ein aktueller Fallbericht beschreibt diese ungewöhnliche klinische Manifestation bei einem Lentigo-maligna-Melanom der Kopfhaut. Ein 78-jähriger Mann stellte sich mit einem umschriebenen Areal brauner Haare am Vertex innerhalb seiner ansonsten weißen Kopfbehaarung vor. Bemerkenswert war die Anamnese: Der betreffende Bereich der Kopfhaut war im Kindesalter wegen einer Tinea capitis radiotherapeutisch behandelt worden – ein früher gebräuchliches Verfahren, das mit einer erheblichen Strahlenexposition der Kopfhaut verbunden war. Die initiale histopathologische Untersuchung ergab eine Lentigo maligna, woraufhin die Läsion operativ entfernt und der Defekt mittels Spalthauttransplantation gedeckt wurde. Bei der histologischen Aufarbeitung des gesamten Exzidats wurde zusätzlich eine invasive Melanomkomponente nachgewiesen. Die Beobachtung unterstreicht ein seltenes, aber diagnostisch relevantes klinisches Zeichen. Melanomzellen beziehungsweise atypische Melanozyten können follikuläre Strukturen einbeziehen und mit einer erneuten Pigmentierung zuvor weißer Haare einhergehen. Eine neu auftretende, umschriebene Repigmentierung grauer oder weißer Haare sollte deshalb insbesondere bei älteren Patienten und an chronisch lichtgeschädigter Kopfhaut Anlass zu einer sorgfältigen Untersuchung der zugrunde liegenden Haut geben. Zusätzlich weist der Fall auf die historische Bestrahlung der Kopfhaut als möglichen onkologischen Risikofaktor hin. Aufgrund des Einzelfallcharakters lässt sich allerdings kein kausaler Zusammenhang zwischen der früheren Radiotherapie und dem späteren Melanom ableiten.

Quelle:
Australas J Dermatol. 2026 Jun 2. http://doi.org/10.1111/ajd.70146
A Case of Lentigo Maligna Presenting as Repigmentation of Hair in a Scalp That Previously Underwent Radiotherapy for Tinea Capitis.
Kelly ML, Low K, Miller RM.

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