L-Carnitin in der Dermatologie: Potenzial bei Akne, Hyperpigmentierung, Wundheilung und weiteren Hauterkrankungen (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/08/11 07:12

L-Carnitin in der Dermatologie: Potenzial bei Akne, Hyperpigmentierung, Wundheilung und weiteren Hauterkrankungen (NEWSBLOG 2026)

L-Carnitin ist ein für den Fettsäurestoffwechsel wichtiges Aminosäurederivat, dem neben metabolischen Funktionen auch antiinflammatorische, antioxidative und zellprotektive Eigenschaften zugeschrieben werden. Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte sowohl therapeutische Einsatzmöglichkeiten als auch die Bedeutung von L-Carnitin und seinen Metaboliten als Biomarker in der Dermatologie. Von 420 identifizierten Publikationen wurden 59 in die Analyse eingeschlossen. Topisch angewendetes L-Carnitin in Konzentrationen von 1–5 % war mit einer Reduktion von Akneläsionen und Sebumproduktion sowie Verbesserungen bei postinflammatorischer Hyperpigmentierung und Cellulite verbunden, teilweise in Kombination mit Wirkstoffen wie Licochalcon A oder Salicylsäure. Für systemisches L-Carnitin berichten die ausgewerteten Studien unter anderem über antiinflammatorische und antioxidative Effekte sowie eine mögliche Reduktion therapiebedingter Nebenwirkungen, beispielsweise unter Kortikosteroiden, Isotretinoin oder Vismodegib. Darüber hinaus wurden positive Effekte auf Hautelastizität, Mikrozirkulation, Wundheilung und fibrotische Prozesse beschrieben, unter anderem bei Raynaud-Syndrom, venösen Ulzera und sklerosierenden Erkrankungen. Veränderungen von Carnitin und seinen Metaboliten könnten zudem bei verschiedenen Genodermatosen, entzündlichen Hauterkrankungen und beim Melanom als diagnostische oder verlaufsbezogene Biomarker von Bedeutung sein. Insgesamt ergibt sich ein breites dermatologisches Anwendungspotenzial, die Evidenz ist jedoch hinsichtlich Indikationen, Dosierungen und Formulierungen heterogen. Dermatologiespezifische kontrollierte Studien sind daher erforderlich, bevor belastbare Therapieempfehlungen ausgesprochen werden können. Bei einer längerfristigen systemischen Anwendung sollten zudem mögliche kardiovaskuläre Risiken im Zusammenhang mit dem Carnitin-Metaboliten Trimethylamin-N-oxid berücksichtigt werden.

Quelle:
J Cutan Med Surg. 2026 Mar 25. http://doi.org/10.1177/12034754261427402
L-Carnitine in Dermatology: A Systematic Review of Therapeutic Potential and Biomarker Applications.
Chow EY, Sapijaszko M.

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