Patienten mit Xeroderma pigmentosum (XP) entwickeln aufgrund ihrer gestörten DNA-Reparatur bereits in jungen Jahren zahlreiche Hautmalignome. Bei lokal fortgeschrittenen oder metastasierten kutanen Plattenepithelkarzinomen (cSCC) sind die therapeutischen Möglichkeiten besonders problematisch, da ausgedehnte Operationen erhebliche funktionelle und kosmetische Folgen haben können und eine Strahlentherapie bei XP mit besonderen Risiken verbunden ist. Eine retrospektive multizentrische Studie aus Mayotte und La Réunion untersuchte vier XP-Patienten im medianen Alter von nur 16 Jahren, die wegen inoperabler fortgeschrittener cSCC beziehungsweise eines sarkomatoiden Karzinoms mit einer Anti-PD-1-Immuntherapie behandelt wurden. Bei allen vier Patienten kam es zu einer raschen vollständigen Tumorregression; schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Auch die ergänzende Literaturauswertung mit 14 weiteren publizierten Fällen ergab bemerkenswert hohe Ansprechraten: Sieben Patienten erreichten ein vollständiges und sechs ein partielles Ansprechen. Die ausgeprägte Wirksamkeit erscheint biologisch plausibel, da die defekte DNA-Reparatur bei XP zu einer hohen Mutationslast und damit zu zahlreichen potenziell immunogenen Tumorneoantigenen führen kann. Trotz der bislang sehr kleinen Patientenzahlen sprechen die Ergebnisse dafür, dass Anti-PD-1-Antikörper bei fortgeschrittenen cSCC im Rahmen eines XP eine besonders wichtige Therapieoption darstellen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob eine Immuntherapie künftig bereits neoadjuvant eingesetzt werden könnte, um mutilierende Operationen zu vermeiden oder deren Ausmaß zu reduzieren. Diese Strategie bedarf jedoch einer systematischen klinischen Prüfung.
Quelle:
Ann Dermatol Venereol. 2026 Jun;153(2):103487. http://doi.org/10.1016/j.annder.2026.103487
Efficacy of immune checkpoint inhibitors in patients with xeroderma pigmentosum and advanced cutaneous squamous-cell carcinoma and literature review.
Dumas M, Réguerre Y, Robert E, Scalbert C, Bertolotti A, Miquel A.