Das epitheloide Histiozytom (epithelioid cell histiocytoma, ECH) wurde traditionell als seltene Variante des fibrösen Histiozytoms eingeordnet. Der inzwischen häufige Nachweis von ALK-Rearrangements spricht jedoch dafür, dass zumindest ein wesentlicher Teil dieser Tumoren eine biologisch eigenständige Entität darstellt. Ein aktueller Fallbericht verdeutlicht dabei einen wichtigen diagnostischen Fallstrick: Eine negative beziehungsweise aberrante ALK-Immunhistochemie schließt eine ALK-Genfusion nicht zuverlässig aus. Aufgrund der epitheloiden Morphologie besitzt das ECH ein breites histopathologisches Differenzialdiagnosespektrum, das unter anderem melanozytäre Tumoren, fibröse Histiozytome, Retikulohistiozytome und andere Nicht-Langerhans-Zell-Histiozytosen, atypische Fibroxanthome sowie in entsprechender Konstellation Rhabdomyosarkome umfasst. Viele ECH weisen eine ALK-Überexpression infolge einer ALK-Rearrangierung auf; zu den beschriebenen Fusionspartnern gehören insbesondere SQSTM1 und VCL. Im vorliegenden Fall führten die ungewöhnliche Morphologie und das aberrante immunhistochemische Profil zu einer weiterführenden molekularen Untersuchung mittels Next-Generation-Sequencing (NGS). Dabei wurde trotz fehlender ALK1-Immunreaktivität eine SQSTM1::ALK-Fusion nachgewiesen. SQSTM1 kodiert für p62, ein an Signaltransduktion und Autophagie beteiligtes Protein, während die ALK-Rearrangierung eine aberrante Kinaseaktivität vermitteln kann. Der Fall unterstreicht damit die Grenzen einer ausschließlich immunhistochemischen Diagnostik: Bei morphologisch überzeugendem Verdacht auf ein ECH sollte ein negativer ALK-Befund insbesondere bei ungewöhnlichem Immunphänotyp nicht vorschnell gegen die Diagnose gewertet werden. Eine molekulare Untersuchung kann in diagnostisch schwierigen Fällen eine kryptische ALK-Fusion aufdecken und die Einordnung des Tumors ermöglichen. Da es sich um einen einzelnen Fall handelt, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten, wie häufig ALK-immunhistochemisch negative, aber molekular ALK-rearrangierte ECH tatsächlich vorkommen.
Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Jul 28. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003389
ALK1-Negative Epithelioid Histiocytoma: Lessons From a Rare Case.
Hong J, Gizaw NB, Thieu TM, Kominick C, Helm TN, Helm KF.