Larva migrans cutanea

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2020/06/04 00:29

Larva migrans cutanea

Engl: Creeping eruption, water dermatitis

Histr: Erstbeschreibung durch Lee im Jahre 1874

Def: Infektion der Haut mit Nematodenlarven  

Note: Diese sind meist nur tierpathogen, können aber auch menschenpathogen sein und dann entsprechende innere Organe (bes. die Lunge) befallen. Man spricht im letzten Fall von viszeraler Larva migrans.

Etlg: - Hunde- und Katzen-Hakenwurm

Err: Ancylostoma brasiliense, Ancylostoma caninum oder Uncinarai stenocephala

Vork: häufiger als menschenpathogene

- menschenpathogene Nematoden

Err: - Strongyloides stercoralis = Zwergfadenwurm

Eig: schnellste Wanderungsgeschwindigkeit mit bis zu 10 cm pro Stunde

- Ankylostoma duodenale

- Necator americanus

Bed: häufigste Hautkrankheit von Tropenreisenden

Pg: Die Larven schlüpfen im Hunde- und Katzenkot und befallen die menschliche Haut. Nach einer Woche beginnt die Larve in die Haut zu wandern.

Vork: bes. in feucht-tropischen Regionen (Strand)

KL: - initial stark juckende, rote Papel

- nach 1 Woche

Bef: - bizarre, knäuelartige rötliche Hautstreifen 5

Note: Bei den menschenpathogenen Erregern einer viszeralen Larva migrans fehlt dieses typische Hautzeichen häufig, oder die Larven wandern tiefer im Gewebe und imponieren als wandernde subkutane Knoten (Larva currens)

- Follikulitiden

Lit: Br J Dermatol 2002; 146: 314-6

So: bullöse Läsionen

Lit:  

Vork: selten

Kopl: - Löffler-Syndrom I

Def: transiente Lungeninfiltrate mit Bluteosinophilie

Vork: 50% d. F.

DD: Löffler-Syndrom II = Endokardfibrose + Bluteosinophilie

- Impetigo

- sekundäres Erysipel

Prog: Da der Mensch bei der Larva migrans cutanea im engeren Sinne ein Fehlwirt ist, tritt immer eine Spontanheilung ein.

Verl: Ohne Behandlung können die Hautveränderungen aber über Monate persistieren.

Th: - Thiabendazol

Bed: historisch und obsolet (Wirkstoff ist weltweit aus dem Handel.)

Appl: - lokal

Ind: umschriebene Hautveränderungen

Dos: 10-15% Lösung oder Salbe, 3x/Tag lokal (ggf. okklusiv) über mind. 2 Wochen

Bsp: Thiabendazol Salbe 10%

Rp: Thiabendazol 10,0, Paraff. liq. 10,0 in Vaselinum alb. ad 100,0

Co: lokale Glukokortikoide symptomatisch

Bsp: Thiabendazol 10% Betamethason 0,1% Salbe

Rp: Thiabendazol 10,0, Betamethason-17-valerat 0,1, Sol. acid. citric. 0,5% 2,5, Sol. natr. citric. 0,5% 2,5 in Ungt. emulsif. aq. ad 100,0

- oral

Dos: 25-50 mg/kg/Tag für 2-5 Tage

Neg: weniger wirksam als Albendazol und schlechter toleriert

- Albendazol

Dos: 2x400 mg/Tag p.o. für 3 Tage

Ind: fehlende Verfügbarkeit, fehlende Wirksamkeit oder fehlende Verträglichkeit von Ivermectin

- Ivermectin

Dos: 12 mg (einmalig) entsprechend dem Packungsinhalt von 4 Tbl. (oder 200 Mikrogramm/kg)

Phar: Driponin®, Scabioral®

Appl: oral auf nüchternen Magen mit Wasser (keine Nahrungsaufnahme 2 h vor und nach Tbl.-Einnahme)

Wirk: Erfolgsrate von 81-100% bei oraler Applikationsform

Note: mangels therapeutischer Alternativen ist auch ein lokaler Einsatz von Ivermectin, ggf. okklusiv, vertretbar 2

Phar: Soolantra®

Lit: J Dtsch Dermatol Ges. 2016 Jun;14(6):622-3, Int J Dermatol. 2019 Oct 24. http://doi.org/10.1111/ijd.14673

- Kryotherapie

Lit: Dermatol Online J. 2014 Oct 15;20(10)

PT: CR (schwangere Pat.)

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Erstellt von Thomas Brinkmeier am 2019/02/02 18:41
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